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So 17.5.2026, 18:00 Uhr
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Aufführungen | Schauspiel

ANTHROPOLIS II: Laios

Deutsches SchauSpielHaus Hamburg

In Theben hebt nach dem Ende des Pentheus und der Machtübernahme durch Labdakos, einem weiteren Enkel von Kadmos, eine Zeit voller Gewaltexzesse an. Schließlich wird Laios, der Sohn des Labdakos, aus dem Exil zurückgeholt und inthronisiert. Doch kommt er nicht allein, der junge Chrysippos aus Pisa begleitet ihn. Ist er der Grund für die Kinderlosigkeit des neuen Königspaares Laios und Iokaste oder ist es doch der Orakelspruch der Seherin Pythia? Schon taucht die nächste Kreatur vor den Toren der Stadt auf: die Sphinx, ein Tierwesen aus Löwe, Frau und Vogel, das die Stadt singend und rätselhaft in den mörderischen Wahnsinn treibt. In einem hochpoetischen und multiperspektivischen Monolog, der die verschiedenen Charaktere und Mythenvarianten über den Vater des Ödipus zu Wort kommen lässt, geht die Inszenierung der Frage nach, was das Paar Laios und Iokaste trotz des religiösen Verbotes dazu bewogen haben könnte, einen Nachkommen zu zeugen. Wie viel Verantwortung tragen die Eltern am Schicksal ihres Kindes Ödipus, das sie gleich nach der Geburt im Gebirge verschwinden lassen wollten? Wie viel Schuld wird von Generation zu Generation weitervererbt und wie viel Freiheit bleibt dem einzelnen, sich daraus wieder zu befreien? Regie: Karin Beier Bühne: Johannes Schütz Kostüme: Wicke Naujoks Licht: Annette ter Meulen Video: Voxi Bärenklau Musik: Jörg Gollasch Dramaturgie: Sybille Meier Dauer: 1 Stunde 30 Minuten, Keine Pause
Aufführungen | Schauspiel

Vampire’s Mountain

Deutsches SchauSpielHaus Hamburg

Wenn sich der Zukunftshorizont verdunkelt, haben Erzählungen von Vampiren Hochkonjunktur. Tatsächlich gibt es kein Volk der Erde, dem diese Geschichten fremd wären. Kein Volk der Erde, dem die Natur, die es zu beherrschen und verbrauchen lernte, nicht als Schreckgestalt wiederkehrte. Der bildende Künstler, Szenograf und Regisseur Philippe Quesne ist ein Meister des skurril-fantastischen Bildertheaters. In vielschichtigen Partituren verwebt er ästhetische und wissenschaftliche Fragestellungen zu zarten, melancholischen und überaus heiteren Panoramen unserer Zeit, in denen das Momentum der Verwandlung stets die entscheidende Rolle spielt. Als Kopf der französischen Performancetruppe Studio Vivarium gehört er seit mehr als zwei Jahrzehnten zu den erfolgreichsten europäischen Theatermacher*innen. Das von ihm von 2014 bis 2020 geleitete Pariser Théâtre Nanterre-Amandiers galt als Hotspot für neue Theaterentwürfe. Zum ersten Mal wird er nun am Deutschen SchauSpielHaus in Hamburg inszenieren, Mitglieder des Studio Vivarium und unseres Ensembles verbinden, um mit ihnen gemeinsam den Ängsten unserer Gegenwart zu trotzen. Denn Quesnes Arbeiten sind Ausdruck einer Überlebenskunst in gefährlicher Zeitenwende. Sie fragen nach Gemeinschaftsbildung und nach unserem Umgang mit der Umwelt. Woher rührt unser Krisenbewusstsein? Woran misst die Menschheit die Realität? In immer wieder neuen Versuchen zeichnen sie die Entwicklung der Menschheitsgeschichte nach, ihre Höhenflüge und Abstürze. Jede neue Produktion versteht sich als die nächste Etappe dieses großen Lebensprojekts, das sich auch als luzides Verweisspiel mit unseren kulturellen Prägungen lesen lässt. Und so mag der Beginn von »Vampire’s Mountain« zunächst noch bekannt erscheinen: Ein abgelegener Ort. Vereinzelte Menschen verschiedener Herkunft treffen nach und nach ein. Niemand weiß genau, wozu er oder sie gebeten ist. Gilt es eine Erbschaft anzutreten? Etwas, jedenfalls, liegt tief vergraben. Oder hat es sich bereits aus der Erde befreit? Die Ungewissheit erzeugt eine phantastische Wachheit, die langsam, aber sicher die Wahrnehmung verändert: Sehen die kahlen Berggipfel in der Ferne nicht aus wie die Zähne eines Vampirs? Konzept, Regie, Bühne und Kostüme: Philippe Quesne Mitarbeit Bühnenbild: Elodie Dauguet Technische Mitarbeit: François Boulet Mitarbeit Kostüme: Marie-Luise Otto Licht: Annette ter Meulen Dramaturgie: Judith Gerstenberg Dauer: 1 Stunde 45 Minuten, keine Pause
Aufführungen | Performance

NEW HAMBURG: Veddelogie To Go

Deutsches SchauSpielHaus Hamburg

Uraufführung:10.6.2026 Nach »St. Georgologie To Go« in den Spielzeiten 2024-26 lädt das Hamburger Performance-Kollektiv JAJAJA im Rahmen von NEW HAMBURG zu einem Besuch auf die Veddel ein – eine Insel zwischen Hafenindustrie und Wohnquartier, geprägt von bidirektionaler Migration, Klinkerarchitektur, Dorfkultur und Uschi Hoffmann. Gemeinsam mit Bewohner*innen, lokalen Künstler*innen, und Schauspieler*innen des SchauSpielHaus-Ensembles entsteht ein performatives Live-Audioformat: Mit multiplen Perspektiven Straßen entlang gehen, durch neue Türen und andere Öffnungen zu Architektur, Natur, Erlebnis, Begegnung, Geschichte, Installation u. v. m. Mit Funkkopfhörern und Mikrofonen ausgestattet, ergeben sich Gespräch und Begegnung und nicht selten spontane Interviews mit Veddeler:innen. Umgebungsgeräusche und Textfragmente verbinden sich zu einer immersiven Klang-Collage.Es entsteht ein wandelnder Resonanzraum, auf vielen Füßen, in dem die Grenzen zwischen den Performer*innen, der Stadt-Insel und ihren Menschen und dem eigenen Erleben verschwimmen. »NEW HAMBURG: VEDDELOGIE To Go« ist eine Reise durch einen allzu gern vergessenen Stadtteil, die den Möglichkeitssinn mit radikaler Zukunftszärtlichkeit wieder erwecken wird. New Hamburg ist noch voller Nichterwartbarkeiten und soll nach 12 Jahren kontinuierlichem Engagement gebührend gefeiert werden. Iris Minich und Arvild J. Baud entwickeln als JAJAJA Kollektiv seit 2018 poetisch musikalische Stadttouren in einem besonderen Live-Radio-Format. Zuletzt haben sie für das SchauSpielHaus den Audiowalk »St Georgologie To Go« erarbeitet. Iris Minich arbeitet als Performerin an vielen Theatern, Kunst- und Bildungseinrichtungen. Arvild J. Baud ist Musiker und Performancekünstler. Er arbeitet als Soundkünstler viel im Theater, am SchauSpielHaus unter anderem mit Karin Henkel und Stefan Kaegi. In Video- und Audioaufnahmen: Henni Jörissen, Alberta von Poelnitz Regie / Künstlerische Leitung / Performance: Iris MInich & Arvild J. Baud Mitarbeit Bühne: Patrick Coyne Mitarbeit Kostüme: Anna Michaelis Kamera / Schnitt / Video: Lion Frenster Mitarbeit Sound / Technik: Linus Nielsen Dramaturgie: Christian Tschirner
Aufführungen | Schauspiel

Drosseln

Deutsches SchauSpielHaus Hamburg

Premiere: 7.6.2026 „Ich weiß, du hast Angst. Habe ich auch. Aber es wird nicht allzu nass. Ehrlich.“ Drei Personen, drei Räume, drei Lebensläufe. Rebecca, Anna und Sam wollen ihre Situation verändern, sich aus dem Strudel der Einsamkeit, Angst und Verzweiflung befreien. Sie sprechen mit sich über sich selbst, über Gedanken, Sorgen und Schwierigkeiten. Gleichzeitig scheint es so, als würden sie dabei einander antworten, auf die jeweils andere Person eingehen, miteinander in die Diskussion kommen. Obwohl alle erstmal für sich bleiben. Auf kunstvolle Weise verwebt die schottische Autorin Stef Smith die drei inneren Monologe zu einem Gespräch miteinander. Die drei begegnen sich zufällig, zunächst vorsichtig, skeptisch und distanziert. Später mit Ehrlichkeit, Zuneigung und Empathie. Das komplexe Spiel zwischenmenschlicher Beziehungen zwischen Verlangen und Verletzung, Schutzbedürfnis und Zerstörung verhandelt Smith mit sprachlicher Wucht und Schonungslosigkeit. Stef Smith studierte Drama und Theatre Arts an der Queen Margaret University in Edinburgh. Seitdem ist sie als Autorin tätig. Für ihr Stück »Roadkill« erhielt sie den Olivier Award. »Drosseln« war eine Auftragsarbeit des schottischen Traverse Theatre. Jamie Trautmann debütiert mit »Drosseln« am Deutschen SchauSpielHaus Hamburg. Regie: Jamie Trautmann Bühne: Malte Knipping Kostüme: Tabea Harms Musik: Nikolas Kuhl Dramaturgie: Christina Schulte
Aufführungen | Schauspiel

Das große Heft

Deutsches SchauSpielHaus Hamburg

Zwei Brüder, Zwillinge, werden aus der Stadt zu ihrer Großmutter aufs Land gebracht. Es ist Krieg, die Stadt wird bombardiert. „Ich werde euch zeigen, wie man lebt!“, sagt ihre Großmutter, die im Dorf allgemein „die Hexe“ genannt wird. Ihre beiden Enkel nennt sie „Hundesöhne“ – Zuneigung und Zärtlichkeit können die Kinder von ihr nicht erwarten. Nahezu auf sich allein gestellt, müssen sie lernen, wie man in einer Welt der Gewalt, des Hungers und des Elends überlebt; wie man unempfindlich wird gegen psychischen und physischen Schmerz; wie man bettelt, lügt, stiehlt und tötet. Spiel gibt es nicht in dieser Welt; alles ist Training für den Ernstfall, für die Entscheidung über Leben und Tod. Ihre Erlebnisse und Erfahrungen sammeln die Zwillinge in einem großen Heft. Ágota Kristóf erfindet dafür eine einzigartige Sprache, die sie als Autorin weltberühmt macht: Analytisch, beobachtend, kalt erzählen die Kinder ihren Alltag im Krieg. Die Gefühle, die das Erzählte auslöst, sind umso beklemmender. Regie: Karin Henkel Bühne: Katrin Brack Bühnenbild Mitarbeit: Malte Knipping Kostüme: Nina von Mechow Musik: Arvild J. Baud Licht: Holger Stellwag Dramaturgie: Christian Tschirner Ab 16 Jahren Dauer: 2 Stunden 30 Minuten, inkl. einer Pause
Aufführungen | Schauspiel

alphabet

Deutsches SchauSpielHaus Hamburg

Aus dem Dänischen von Hanns Grössel „Wann immer einen die Dinge erschreckten, sei es eine gute Idee, sie zu vermessen.“ (Alexander von Humboldt) Das sprachmagische Welt-Gedicht »alphabet« der dänischen Dichterin Inger Christensen gilt vielen Künstler*innen und Kritiker*innen als eine der innovativsten und bedeutendsten Dichtungen des ausgehenden 20. Jahrhunderts. In einer Schaffenskrise beginnt die studierte Naturwissenschaftlerin eine Aufzählung von alltäglichen Wahrnehmungen und einfachen Dingen des Lebens: Aprikosenbäume, Brombeeren, Chromstahl, Dunst, Dioxin, Elche, Essig, Fehler (darunter grobe und systematische und zufällige), Grenzen, Halbschatten, Heerscharen … Sie ordnet diese Begriffe und Gedanken auf leeren Papierbögen alphabetisch an, um sich der Welt neu zu vergewissern. Ausgehend vom „Aprikosenbaum“ des Anfangs, entsteht in einer immer weiter ausgreifenden Bewegung eine einzigartige Folge von Wörtern, Gedanken, Bildern, Ideen – so, als würde die Welt das erste Mal benannt und erschaffen. Die Zeilenanzahl des so entstehenden Planeten-Portraits unterwirft Christensen dem mathematischen Gesetz der Fibonacci-Sequenz, die in der Natur auch in Schneckenhäusern, DNA-Spiralen und dem Andromeda-Nebel vorkommt: 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34, 55 … bis in die Unendlichkeit. Ein Versuch, gegen den Tod anzuschreiben. Christensen feiert die Schönheit all dessen, was wir über die Natur wissen, und beschreibt zugleich das Entsetzen über all das, was wir auch wissen: über die Verderbnis der Schönheit, ihren Verfall ins Unbeherrschbare und Zerstörende. Und inmitten alldem steht die entscheidende Frage: „Warum sind wir hier?“ Wie passen wir Menschen in dieses Ordnungssystem? Denn kurz nach dem Buchstaben M bricht die strenge alphabetische Ordnung dann auch plötzlich ab … Der Schweizer Theaterkünstler Thom Luz nimmt sich dieses Jahrhundertgedicht vor, um es erstmals auf einer Theaterbühne in ein von Musik durchdrungenes Klangbild zu verwandeln – verspielt und traurig, flüchtig, voll von leisem Humor und magisch schönen Theaterbildern. Er kehrt damit nach seinem Kafka-Abend »Die acht Oktavhefte« zurück ans SchauSpielHaus. Regie und Bühne: Thom Luz Mitarbeit Bühne: Malte Knipping Kostüme: Sophie Leypold Musikalische Leitung: Peter Conradin Zumthor Licht: Jan Vater Dramaturgie: Judith Gerstenberg Dauer: 1 Stunde 40 Minuten, Keine Pause
Aufführungen | Schauspiel

Die Möwe

Deutsches SchauSpielHaus Hamburg

Wie nervös alle sind, so nervös! Als junge erfolglose Künstler*innen glauben sie, alle Konventionen sprengen zu können und verlieren – endlich erfolgreich – den Glauben an ihre Arbeit. Sie wollen ein bedeutendes Leben führen in den Zentren der Welt und arrangieren sich tapfer in der Provinz. Sie wollen die Gesellschaft erneuern und werden von sich selbst enttäuschte Schauspieler*innen, Lehrer*innen oder Verwalter*innen. Sie suchen die eine, die große Liebe und heiraten schließlich leidenschaftslos eine andere. Fast alle Figuren, die Anton Tschechow in »Die Möwe« versammelt, sind irgendwo angekommen. Aber niemand dort, wo er oder sie eigentlich einmal hinwollte. Sie bilden einen Reigen unglücklich liebender, grandios oder kleinlaut scheiternder Menschen. Es ist eine Tragödie, es ist eine Komödie. Die Regisseurin Yana Ross inszeniert zum ersten Mal in Hamburg. Seit ihrer frühesten Kindheit führt die Kosmopolitin ein für ihr künstlerisches Schaffen fruchtbares Nomadenleben: In Moskau als Kind einer ukrainisch-polnisch-jüdischen Familie geboren, aufgewachsen im Baltikum und den USA, lebt und arbeitet sie seither in verschiedenen Ländern Europas. Zuletzt gehörte sie fünf Jahre zum Leitungskollektiv des Schauspielhauses Zürich. Immer wieder aufs Neue sucht sie die Texte Anton Tschechows auf: Kein anderer Autor sequenziere die DNA der menschlichen Seele so präzise wie er. Gemeinsam mit dem Ensemble taucht sie tief in das Original ein, befragt Tschechows Dramatik nach den persönlichen Bezugspunkten und schreibt sie in die Gegenwart fort. Aus dem Russischen von Elina Finkel in einer Bearbeitung von Yana Ross Regie: Yana Ross Bühne: Bettina Meyer Kostüme: Ulrike Gutbrod Musik: Knut Jensen Licht: Susanne Ressin Dramaturgie: Matthias Günther Dauer: 2 Stunden 45 Minuten, inkl. einer Pause
Aufführungen | Schauspiel

Tante Esther late ein!

Deutsches SchauSpielHaus Hamburg

Die Schauspielhauskantine wird zur ShowBühne for everyone! Ob Stand-Up, Gesang, Magie, Comedy, Poetry oder einfach nur Wahnsinn mit Haltung - auf der kleinsten Bühne des Hauses ist Platz für alles, was unterhält (und keine bleibenden Flecken hinterlässt). Matti Krause hostet als schamlos charmante „Tante Esther“, die das Publikum hemmungslos becirct und den Abend ausufernd zusammenhält. Gestartet in der Realnische, jetzt auf Zwischenstopp in der Kantine: Tante Esthers Late-Night-Kracher: Ein Abend, wie du ihn brauchst. Auch wenn du’s noch nicht weißt. Für alle, die nicht nur zuschauen wollen: Meldet euch gern bei: openstage@schauspielhaus.de Mit: Matti Krause
Aufführungen | Schauspiel

Zur Person: Hannah Arendt

Deutsches SchauSpielHaus Hamburg

1964 gibt Hannah Arendt dem noch jungen Journalisten Günter Gaus ein Interview, das inzwischen legendär ist. Arendt begegnet ihrem sanften Gegenüber mit der gnadenlosen Präzision ihrer Intellek tualität. Immer wieder kommt sie auf den Schock von 1943 zu sprechen, als sie, inzwischen im US-amerikanischen Exil, von der „Fabrikation der Leichen“ (Arendt) in Auschwitz erfuhr. Ein Schock, aus dem ihre politische Theorie des Begreifens erwuchs: „Begreifen bedeutet, sich aufmerksam und unvoreingenommen der Wirklichkeit, was immer sie ist oder war, zu stellen und entgegenzustellen.“ Es ist dies ein Entgegenstellen, das, 2025, immer schwieriger zu werden droht. Nicht nur, weil der Wille genau hinzuschauen schwindet, sondern schlicht und ergreifend deshalb, weil 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs das Erinnern an Wirklichkeit, die immer auch Vergangenheit ist, schwindet. Julia Wieninger erweckt in diesem Re-Enactment die große Hannah Arendt einen Abend lang zum Leben. Konzept: Julia Wieninger, Martin Györffy Bühne: Julia Oschatz Kostüme: Jana Sophia Schweers Licht: Björn Salzer Mit: Julia Wieninger, Michael Weber Dauer: 1 Stunde 10 Minuten, keine Pause
Aufführungen | Performance

Bodies under Water

Deutsches SchauSpielHaus Hamburg

„Wir alle sind Wasserkörper. Im Wasser erleben wir uns weniger als isolierte Wesen, sondern eher als ozeanische Wirbel: Ich bin ein einzigartiger dynamischer Strudel, der sich in einer komplexen fließenden Zirkulation auflöst.“ (Astrida Neimanis: Hydrofeminism: Or, On Becoming a Bodies of Water, Bloomsbury 2017) Unter Wasser funktionieren Körper anders als an Land, hier gelten andere Regeln, physikalisch, ökologisch, sozial. Vielleicht liegt hier, losgelöst von den Fesseln des territorialen Denkens, auch eine Utopie verborgen – frei von Binaritäten, patriarchalen Hierarchien und der Logik des Kapitalismus –, die die Dominanz einer männlich geprägten Sicht auf die Welt vergessen lässt! Das sagt sich leicht, und schnell ist die Forderung „anders zu denken“ geschrieben. Aber was bedeutet dieses andere Denken in der Praxis? Was kostet es, sich von eingeübten Mustern und Kategorien zu trennen? Wie ist es möglich, die Komfortzone des Landdenkens zu verlassen und mit der eigenen Körperlichkeit im Element Wasser zu erproben? Seit Jahrhunderten bilden Frauen in Japan (Ama) und Südkorea (Haenyeo) besondere Gemeinschaften, die dem Meer verbunden sind. Sie tauchen nach Seeohren – ein Beruf, der weit mehr ist als Arbeit: eine Berufung, in die Herzblut und generationsübergreifendes Wissen einfließen. Für die Seefrauen ist das Meer nicht ein Ort des Fischfangs, sondern ein Raum der Koexistenz, geprägt von Respekt und Nachhaltigkeit. Doch steigende Temperaturen und zunehmende Verschmutzung haben spürbare Folgen. Mit eigenen Augen sehen die Seefrauen, wie das Leben im seichten Wasser verschwindet. Um weiterhin bestehen zu können, müssen sie tiefer tauchen – physisch und metaphorisch. Inspiriert von diesen Expertinnen taucht Annalisa Engheben zusammen mit Schauspieler*innen in die Tiefsee des MalerSaals ab, wo Flüssigkeit zur Metapher für Freiheit, Verbindung und Wandel wird. Sie nehmen uns mit in eine poetische wie wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Konzept des „Wasserkörpers“, auf der Suche nach einer hydrofeministischen Avantgarde. Die Performance erprobt, was es bedeutet, unsere Körper als durchlässige, vernetzte Wasserkörper zu denken, die nicht länger in Abgrenzung zu anderen stehen, sondern in einem großen, verwobenen Kreislauf leben. Welche neuen Geschichten, welche Formen von Gemeinschaft und welche Bilder lassen sich in den Tiefen finden, die es lohnt, mit an Land zu bringen? Regie: Annalisa Engheben Dramaturgie: Ludwig Haugk Dauer: 1 Stunde 30 Minuten, keine Pause
Aufführungen | Schauspiel

Der eigene Tod

Deutsches SchauSpielHaus Hamburg

Fast protokollarisch, präzis und poetisch beschreibt der preisgekrönte ungarische Autor Péter Nádas, was der Titel benennt: den eigenen Tod. Nur knapp überlebt er einen Herzinfarkt. Im Schwebezustand zwischen Diesseits und Jenseits begegnet ihm „der/die/das Andere“ in sich. Sich selbst ganz entfremdet erfährt er das Erlöschen des Denkens – und sein Wiedereinsetzen. Nur Zusammenhang und Kontinuität zu allem, was bisher war, scheinen verloren. „Deine einstigen Erlebnisse schweben im All der Zeitlosigkeit als Schatten von Planeten mit dir.“ Einer der größten Autoren des 20. Jahrhundert berichtet in diesem knappen Essay auf einzigartige Weise von einem Zustand, dessen Auswirkungen sein bisheriges Leben, aber auch seine Arbeit als Schriftsteller nachhaltig erschüttern. Was diesem maximal persönlichen Text zusätzlich eine ungeheure Aktualität verleiht: Nádas schildert beängstigend lebensnah, wie lange und hartnäckig er die Symptome ignoriert, wie er mit ungeheurer Anstrengung den Schmerz und die Schwäche wegdrückt, bis buchstäblich in den Tod. Und weiter zurück, an den Anfang, den Moment der Geburt, 1942, Budapest. Regie: András Dömötör Bühne: Julia Oschatz Kostüme: Jana Sophia Schweers Licht: Björn Salzer Dramaturgie: Ralf Fiedler Dauer: 1 Stunde 15 Minuten
Aufführungen | Schauspiel

Hundeherz

Deutsches SchauSpielHaus Hamburg

Es ist kalt, sibirisch, in naher Zukunft sind Nahrung und jede Wärme rar in Gotham City. Ein geschundener Hund begegnet seinem „Retter“: Nicht uneigennützig lockt ein Wissenschaftler das Tier in seine Praxis. Verjüngung und Optimierung von Menschenkörpern sind dort das Programm. Er pflanzt dem Hund die Hirnanhangdrüse und die Hoden eines kleinkriminellen Kneipen-Musikanten ein – was ihn „menschlich“ werden lässt. Das neue Wesen aber zeigt sich höchst anfällig für Manipulation, saugt Propaganda und Parolen gierig auf. Und lautstark ist der „Chor der solidarischen rebellierenden Unberechtigten“. In hybriden Wesen und Mutanten hat die soziale Hackordnung ihre neuen Underdogs. Aber schnell wird klar, nicht Solidarität, sondern allein Ego-Mania herrscht da im neuen Menschen. Sina, die halb synthetische KI-Robo-Mitarbeiterin, spürt das schnell. Gewalt gegen Andere, besonders „Katerartige“, scheint ein unausrottbarer Drang. Der Mix aus allem politisch Toxischen gefährdet das Geschäftsmodell - und das Treatment der Hautevolee, Robert De Niro, Cher und Big Daddy ... Seit ihrer Entstehung 1925 entfaltet Bulgakows Novelle ungeheurere Sprengkraft. Bereits der junge Sowjetstaat propagierte den „Neuen Menschen“, das erste großflächige Experiment zur Optimierung des menschlichen Körpers und Geistes, ein Unternehmen, das vielfach fortgesetzt wird und sich zu einer weltweiten Industrie entwickelt. Claudia Bauer ist bekannt für ihre starken Zugriffe auf Stücke, poetisch und politisch, anarchisch und dadaistisch, berauschend und schnell. Sie studierte Regie an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch und leitete von 1999 bis 2004 das Theaterhaus Jena. Claudia Bauer inszeniert an zahlreichen großen Bühnen im deutschsprachigen Raum, u. a. in Stuttgart, Frankfurt, München, Berlin, Leipzig, Wien, Graz und Basel. Ihre Inszenierung »humanistää!« nach Ernst Jandl am Volkstheater Wien wurde 2022 zum Berliner Theatertreffen eingeladen, zur „Inszenierung des Jahres“ gewählt und mit dem NESTROY-Preis in den Kategorien „Beste Regie“ und „Beste deutschsprachige Aufführung“ bedacht. »Die Schattenpräsidentinnen. Oder: Hinter jedem großen Idioten gibt es sieben Frauen, die versuchen, ihn am Leben zu halten.« von Selina Fillinger in der Spielzeit 2023-24 war ihre erste Arbeit am Deutschen SchauSpielHaus. Regie: Claudia Bauer Bühne: Andreas Auerbach Kostüme: Vanessa Rust Musik: Peer Baierlein Puppenbau: Ingo Mewes Video: Sébastien Dupouey Licht: Susanne Ressin Dramaturgie: Ralf Fiedler Dauer: 2 Stunden, Keine Pause
Aufführungen | Schauspiel

Ein Sommer in Niendorf

Deutsches SchauSpielHaus Hamburg

Gut situiert, gut angezogen, gut aufgestellt – so tritt er auf, der Jurist Dr. Georg Roth. Jetzt träumt er davon, ein bejubelter Autor zu sein. Er nimmt eine Auszeit, um ein Buch zu schreiben. Die Wahl des Ortes fällt auf Niendorf, Teil des Timmendorfers Strands. Einst Treffpunkt der berühmten Schriftstellergruppe 47 scheint der unglamouröse Badeort genau die richtige Wahl. Drei Monate gibt er sich Zeit, nicht mehr. Doch bald schon stockt der Schreibprozess. Dem Juristen begegnen allerlei dämonische Figuren, kleinbürgerliche oder proletarische, die ihn abstoßen und zugleich in ihren Bann schlagen. Das Buchprojekt jedenfalls tritt immer mehr in den Hintergrund. Und der Sommer in Niendorf beginnt Dr. Roths Leben zu verschlingen. Heinz Strunks Roman wurde von Kritik und Publikum gleichermaßen gefeiert. Sein »Sommer in Niendorf«, hieß es, sei ein moderner »Zauberberg«. Und wenn Thomas Manns Zauberberg vor allem ein Ort ist, wo die Zeit anders verläuft, verfließt und vergeht, so geschieht Gleiches in Strunks Niendorf: Die berauschende Wirkung der Höhenluft wird in dem norddeutschen Badeort freilich durch ausgiebigen Alkoholkonsum erzielt. Auf die Bühne gebracht wird der Roman von Studio Braun – natürlich unter Beteiligung des Gründungsmitglieds und Autors Heinz Strunk. Regie: Studio Braun Bühne: Stephane Laimé Kostüme: Dorle Bahlburg Musik: Studio Braun, Sebastian Hoffmann Video: Meika Dresenkamp Choreografie: Rica Blunck Licht: Rebekka Dahnke Dramaturgie: Christian Tschirner Band: Sebastian Hoffmann (Musikalische Leitung / Posaune), Lieven Brunckhorst (Saxophon), Ali Busse (Bass), Jens Carstens (Schlagwerk), Taco van Hettinga (Keyboards), Sönke Rust (Gitarren) Dauer: 2 Stunden 10 Minuten, Keine Pause
Aufführungen | Schauspiel

Die Abweichlerin

Deutsches SchauSpielHaus Hamburg

von Tove Ditlevsen / Deutsch von Ursel Allenstein Die dänische Autorin und Künstlerin Tove Ditlevsen zählt zu den berühmtesten literarischen Größen ihres Landes. Seit kurzem wird sie für das deutsche Theater neu entdeckt. Ihr letzter Roman, »Vilhelms Zimmer«, den sie 1975 veröffentlichte, gilt neben der »Kopenhagen-Trilogie« als ihr Meisterwerk und wird als ihr kunstvollster und modernster Roman bezeichnet. In schonungslosen, glasklaren und hochpoetischen Sätzen blickt Tove Ditlevsen auf ihr bewegtes Leben zurück. „Ich möchte ein Buch schreiben über Vilhelms Zimmer und alles, was darin geschah oder davon ausging; jene Ereignisse, die zu Lises Tod führten, den ich nur überlebt habe, damit ich ihre und Vilhelms Geschichte aufschreiben kann. Einen anderen Sinn hat mein Dasein nicht.“ Tove Ditlevsen spaltet sich in ihrem autofiktionalen, literarischen Schreiben gleich in mehrere Figuren auf: da gibt es die boshafte Nachbarin Frau Thomsen, Lises Exmann Vilhelm, der zugleich der Ehemann des „Ich“ ist, dessen neue Geliebte Mille, Lises Sohn und den ewig klammen Untermieter Kurt. Ein kurioses Panoptikum gescheiterter Existenzen, die sich in ihrer Einsamkeit begegnen und doch zur Beziehung und einem normalen Leben untauglich sind. Und niemand weiß letztendlich, ob sie nicht Ausgeburt einer Phantasie des „Ich“ sind oder dieses Haus um Vilhelms Zimmer tatsächlich bewohnen. Als Kind der Arbeiterklasse in Armut aufgewachsen, schien ein Schriftstellerinnendasein für Tove Ditlevsen nicht vorstellbar. Zeitlebens kämpft sie als Frau im männerdominierten Literaturbetrieb um Anerkennung. Sie bietet ihr ganzes künstlerisches Schaffen gegen ihre psychische Erkrankung, ihre Tablettensucht und die gescheiterten Beziehungen auf – zuletzt in »Vilhelms Zimmer«, wo sie die letzte der vier Ehen in ein dichterisches Inferno verwandelt. Die Regisseurin Karin Henkel, die zuletzt mit der Inszenierung »Richard the Kid & the King« nach Shakespeare für Aufsehen sorgte, wird mit der deutschsprachigen Erstaufführung »Die Abweichlerin« von Tove Ditlevsen ihre langjährige künstlerische Arbeit am Deutschen Schauspielhaus Hamburg fortsetzen. Regie: Karin Henkel Bühne: Barbara Ehnes Kostüme: Teresa Vergho Sound: Arvild J. Baud Video: Chris Kondek Licht: Holger Stellwag Dramaturgie: Finnja Denkewitz, Sybille Meier Dauer: 2 Stunden 20 Minuten, keine Pause
Aufführungen | Schauspiel

Das Bildnis des Dorian Gray

Deutsches SchauSpielHaus Hamburg

Das Schulterzucken ist zurück. Klimakrise, soziale Ungleichheit, politische Instabilität – man kennt den Abgrund, doch statt Widerstand dominieren Weltverdrossenheit, hemmungslose Selbstinszenierung, Ironie und die Feier der schönen Dinge. Was ist da los? Vielleicht bietet Oscar Wildes Kultroman eine Antwort. »Das Bildnis des Dorian Gray« besticht durch hinreißende Eleganz – das Buch ebenso wie seine Titelfigur, zumindest auf den ersten Blick. „Alle Kunst ist zugleich Oberfläche und Symbol. Wer unter die Oberfläche geht, tut es auf eigene Gefahr“, warnt Wilde in der Vorrede seines Romans. Genau darum geht es: um das Abtauchen zwischen die Zeilen, hinter die Worte. Was lässt sich dort entdecken? Bleibt Hemmungslosigkeit wirklich ohne Konsequenzen? Oder wie ist es zu deuten, dass Dorian Gray so schamlos seinen Weg geht? Warum hat er seinen moralischen Kompass verloren? Ist er – über die Zeiten hinweg – eine Spiegelfigur unserer Gegenwart, die mehr über unsere eigenen Begierden verrät, als uns lieb ist? Der Maler des Porträts jedenfalls will das Bild nicht ausstellen: „Ich habe zu viel von mir selbst hineingebracht“, sagt er. Was lässt ihn zögern? Und was ist es, das diesem Werk seine unheimliche Zeitlosigkeit verleiht? Tristan Linder studierte Schauspielregie an der Theaterakademie Hamburg. Mit seiner Inszenierung »Sandmann« ist er 2025 zum Körber Studio Junge Regie eingeladen. »Das Bildnis des Dorian Gray« ist seine erste Arbeit am SchauSpielHaus. Regie: Tristan Linder Bühne: Anna Satu Kaunisto Kostüme: Lena Rickenstorf Musik: Alexander Schweiß Licht: Björn Salzer Dramaturgie: Matthias Günther Dauer: 1 Stunde 30 Minuten, Keine Pause
Aufführungen | Schauspiel

Die Präsidentinnen

Deutsches SchauSpielHaus Hamburg

In ihrer kleinstbürgerlichen Wohnküche kübeln Erna, Grete und Mariedl hemmungs- und schamlos ihren Welt-Frust über einander aus. Zwischen Abort-Phantasien, Papst-Sendungen und Dackelliebe erspinnen sie sich ihre Wirklichkeit, und die lustvollen, mit Ressentiments und Bigotterie gespickten Sprachattacken sind ihnen Horizont und billig buntes Jahrmarktfest zugleich. Den eigenen Dreck allerdings kehren sie lieber unter ihren Budenteppich – bis endlich Mariedl, die jüngste der drei Damen, ihre Kolleginnen mit der Wahrheit des Daseins konfrontiert. Doch so viel Realität hält keine aus ... Abgründig, bitterböse und gnadenlos komisch seziert Werner Schwab in seinem längst zum modernen Klassiker avancierten Fäkaliendrama die Welt der kleinen Leute: „Das sind Leute, die glauben, alles zu wissen, über alle zu bestimmen. Eine Form von Größenwahn. Ich stamme aus einer Präsidentinnen-Familie.“ Der ungarische Regisseur Victor Bodo, der im Malersaal bereits »Ich, das Ungeziefer« und »Pension zur Wandernden Nase« als rasante Grotesken inszenierte, nimmt sich diesmal das irrwitzige Sprachkunstwerk Werner Schwabs vor. Regie: Viktor Bodo Bühne: Ildi Tihanyi Kostüme: Fruzsina Nagy Musik: Klaus von Heydenaber Video: Marek Luckow Sounddesign: Gábor Keresztes Licht: Andreas Juchheim Dramaturgie: Sybille Meier, Anna Veress Dauer: 1 Stunde 45 Minuten - Keine Pause
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Remembering How to Play – An Evening with Ethan Freeman

The English Theatre of Hamburg

During a long career playing Cats, Apes, various villains, monsters and clergymen, I have come to view my role in the world as that of a “Storyteller”- someone who uses play, transformation and empathy with a character to shed light on our joys and sorrows, our triumphs and our tragedies. More recently, in my painting and my poetry, I have tried to continue in the pursuit of finding sense in a chaotic cosmos and beauty in our human adventure and passing any newfound insights on to the audience, the viewer or the reader. All of this is made possible by a desire, or perhaps even a need, to play: with voice, with body, with colours and textures and with words. To set free the “inner child” even as it gradually becomes a senior citizen! Please join me for an evening of conversation about these diverse but interconnected aspects of the artistic process.
Aufführungen | Aufführung

DEDICTION - Roger Peltzmann

The English Theatre of Hamburg

New York pianist, Roger Peltzman’s one-person show, Dedication, recounts his family’s tragic history fleeing the Nazis in war-torn Europe using drama, humor, powerful images and musical performances of everything from blues to Chopin. Drawn into the story of people he never knew, Peltzman develops a “relationship” with his uncle, Norbert Stern, a brilliant pianist who was murdered in Auschwitz at age 21. Learning that Holocaust trauma can be inherited, Peltzman recounts his coming to terms with second generation survivor trauma and the role of music in helping to manage wounds that will never fully heal. A singular tale from the Holocaust that is at once extraordinary and relatable.
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Asche

Thalia in der Gaußstraße

„Für mich liegt der Hauptreiz des Theaters darin, subjektive Wahrheiten vergrößern zu können. Dass eben diese Wahrheiten die Hauptrolle spielen und nicht die rationale Gleichwertigkeit. Theater machen ist wie Träume teilen.“ Jette Steckel In der Gaußstraße hat Jette Steckel – noch bevor sie dort zuletzt 2011 „Der Fremde“ von Camus inszenierte, der 70 Mal gespielt wurde – 2009 eine Adaption von Ilija Trojanows Roman „Die Welt ist groß und Rettung lauert überall“ auf die Bühne gebracht. Ein altes Plakat mit diesem Titel hängt dort noch immer in einem Gang. Jetzt kehrt Hausregisseurin Jette Steckel, die in den letzten Jahren am Thalia immer für die große Bühne inszeniert hat, noch einmal in die Gaußstraße zurück. Im Gepäck zum ersten Mal ein Stück von Elfriede Jelinek, deren Texte in unterschiedlichsten Regiehandschriften immer wieder den Weg auf die verschiedenen Bühnen des Thalia gefunden haben. Jelineks jüngstes Werk „Asche“ ist ein zutiefst persönlicher Text über den Verlust des geliebten Weggefährten, über Trauer und Untröstlichkeit, über das Empfinden, der Welt abhanden zu kommen, wenn der eine Mensch nicht mehr da ist, „verzogen ins Nichts.“ Und was passiert, wenn uns obendrein die Welt, unser Planet abhandenkommt? Das hatte doch einmal so schön angefangen mit der Schöpfung. Die Schönheit der Natur! Und plötzlich ist sie so grausam. „Was waren wir doch für böse Gäste! Nimmer hielten wir Ruh, nimmer hielten wir Rast!“. Die Erde bröckelt schon und an den Rändern ist der Saum runtergetreten. Eine Parallelerde, auf die man hinüberhüpfen könnte, ist nicht in Sicht. Elfriede Jelineks Schreiben ist, wie sie selbst sagt, ein leidenschaftlicher Akt, eine Art Rage. „Ich sehe, die Regie reicht mir einen Zettel herein: Alles Asche. Das hab ich schon vorausgesehen. Ich mache weiter, sogar in der Wüste würde ich noch weitermachen, im Meer auch, aber nicht lang, bei meinen Schwimmkünsten.“ In Kooperation mit dem Zirkus Zartinka, einem Zirkusprojekt des Z*ART e.V. Regie: Jette Steckel Bühne: Florian Lösche Kostüme: Hanna Krümpfer Musik: Matthias Jakisic Leitung ZIRKUS ZARTINKA: Tobias Fiedler Dauer: 1 Std. 40 Min., keine Pause
Aufführungen | Schauspiel

Porneia

Thalia in der Gaußstraße

Melli forscht über Femizide in Literatur und Mythologie. Tricia kämpft gegen misogynen Online-Hass und hat ihn am eigenen Leib erfahren. Als sie sich fragen, wo Veränderung beginnen kann, rufen sie im Scherz „die Göttinnen“ an – und finden sich, kaum ausgesprochen, ausgerechnet vor den Göttinnen im Olymp wieder. Demeter, Aphrodite, Athene: gefangen in patriarchalen Strukturen, die auch den Olymp beherrschen und für Frauen nur wenige Rollen vorsehen – Muse, Hetäre, Pornie. Wie dem Patriarchat entkommen? Die eine glaubt an Zärtlichkeit, die andere an Lust als Heilmittel, die dritte an Rache. In ihrer Diskussion mit den beiden Sterblichen offenbart sich ein Jahrhundertthema: Wie leben Frauen mit der Geschichte, die sie nicht selbst geschrieben haben? Golda Bartons Porneia öffnet einen Raum, in dem Mythos und Gegenwart lustvoll und streitbar aufeinandertreffen und zum Nachdenken einladen – über Gerechtigkeit, verschiedene Perspektiven des Feminismus und die Möglichkeit einer anderen Geschichte: Herstory statt History. Regie: Isabelle Redfern Dramaturgie: Andrea Schwieter Dauer: 1 Std. 40 Min., keine Pause

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