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Aufführungen | Schauspiel

State of Affairs

Thalia Theater

Die Menschen brauchen Geschichten über sich selbst. Und sie erfinden sie immer wieder neu. Oft befragen sie dafür den „State of Affairs“, den sogenannten Stand der Dinge, denn er gibt ihnen Orientierung. Aber wie sieht der eigentlich aus? Welche Geschichten brauchen wir jetzt, wenn es um nicht weniger zu gehen scheint, als die Zukunft der Menschheit? Und wie wird es dann um die „Affairs“ selbst bestellt sein? Denn auch unsere (zwischenmenschlichen) Beziehungen stehen auf dem Prüfstand. Sie verändern sich im aufreibenden Geflecht von Postpandemie, global-politischer, klimatischer und ökonomischer Verunsicherung, Krise und Einsamkeit: Wagen wir einen Blick auf die gegenwärtigen und zukünftigen Paradoxien unseres Zusammenlebens! Die israelische Regisseurin und Autorin Yael Ronen lebt in Tel Aviv und Berlin und arbeitet seit über 15 Jahren im deutschsprachigen Theater. Ihre vielfach ausgezeichneten Inszenierungen spielen oft mit einem humoristisch-provokativen Blick auf historische und heutige Konflikte. „Slippery Slope. Almost a Musical“, 2022 zum Theatertreffen eingeladen, war bei den Lessingtagen 2023 zu sehen. Wie Ronens erste Arbeit am Thalia Theater „(R)Evolution. Eine Anleitung zum Überleben im 21. Jahrhundert“ – inspiriert vom israelischen Wissenschaftsstar Yuval Noah Harari – wird sich auch „State of Affairs“ den aktuellen und populären Hypothesen zur Spezies Mensch stellen, sie weiterdenken und vielleicht ad absurdum führen. Regie: Yael Ronen Bühne: Evi Bauer Kostüme: Amit Epstein Dramaturgie: Christina Bellingen Musik: Yaniv Fridel, Ofer (OJ) Shabi Video: Stefano Di Buduo Licht: Christiane Petschat
Aufführungen | Schauspiel

Faust Gretchen Fraktur

Thalia in der Gaußstraße

Faust hat heutzutage viele Gesichter, es gibt Deals allerorten und der Imperativ „Verweile doch!“ ist hörbar durch alle Zeiten. In „Faust Gretchen Fraktur“ geht es um theatrale Alchemie, Schlange stehen bei McDonalds und die tragische Geschichte eines Mannes, der sich mit Kräften anlegt, die er nicht versteht. 5 Gretchen prallen auf Heinrich, der höllische Gottschalk Mephisto auf den Grizzlyman Timothy Treadwell und alle zusammen auf die unberührte und fast überirdisch schöne Natur Alaskas. Von dort „tönt, nach alter Weise“ Goethes Langgedicht unter großem Gelächter und findet sich wieder in einem hochgewölbten, engen gotischen Zimmer. Es ist eines von 99 Studierzimmern, in denen Geschichte aufbewahrt wird. Hinter jeder Tür ein Ereignis. Klicken, scrollen, rennen. Perspektivwechsel. Faust wird in seinem Lebenslauf aufgehalten von Gretchen und in andere Richtungen gedrängt. „Werd ich zum Augenblicke sagen…“. Stopp! Restart. Lorenz Nolting studierte Schauspiel an der Folkwang Universität der Künste in Bochum und Regie an der Theaterakademie Hamburg. Im Thalia Theater war seine Arbeit „Biathlon der Sehnsucht“ beim Körber Studio Junge Regie 2021 zu sehen und im Rahmen des Theatermarathons „Hymnen an die Nacht“ 2022 zeigte er seine Inszenierung „Woyzeck – Das schärfste Messer Deutschlands“. Regie: Lorenz Nolting Bühne: Robin Metzer Kostüme: Lea Jansen Dramaturgie: Matthias Günther Musik: Alexander Zwick
Aufführungen | Schauspiel

Wolf

Thalia in der Gaußstraße

Stell dir vor, deine Mutter zeigt dir eine Broschüre. Ein Ferienlager mitten im Wald. Bäume findest du eigentlich nur als Schrank super. Aber deine Mutter bekommt keinen Urlaub, deshalb darfst du mit einer Gruppe Jugendlicher und mies bezahlten Betreuern für eine Woche in die schöne Natur. Ein Topangebot, aber du hast keine Lust. Deine Hütte teilst du dir mit Jörg, der sich gerne am Rand aufhält, weil ihn keiner mag. Dafür kennt er sich mit Pflanzen aus und wandert gerne. Du interessierst dich mehr für gute Geschichten. Nachts fällt Mondlicht durch das Fenster, und ein Wolf sitzt vor der Hütte. Ein Albtraum. Jörg schnarcht, und du hast Angst. Jörg hat Stress mit Marko und seinen Jungs. Er ist ein Verlierer und muss jede Menge aushalten. Was kannst du machen? Vielleicht wäre die Lösung, Jörg beizustehen. Manchmal packt dich die Wut. Und dann? Das ist deine Geschichte. Du sagst: „Ich heiße übrigens Kemi.“ Saša Stanišićs „Vor dem Fest“ und „Herkunft“ sind absolute Kultaufführungen im Thalia in der Gaußstraße. Sein neuer Roman „Wolf“ ist ein Knaller. Er spielt mitten in der Walachei, oder wie Kryptik Joe (Deichkind) rappt: „In der Natur / Alles voll Gekrabbel und Gestrüpp / In der Natur / Da friert es dir am Steiß, wenn du dich bückst / In der Natur / Wirst du ganz langsam verrückt.“ Nach mehreren Arbeiten im Nachtasyl wird Camilla Ferraz mit der Romanadaption von „Wolf“ nach drei Jahren Regieassistenz ihr Abschlussstück in der Reihe „Junge Regie“ inszenieren. Regie: Camilla Ferraz Bühne: Nadin Schumacher Kostüme: Katharina Arkit Dramaturgie: Julia Lochte Musik: Clara Brauer (CLARKS PLANET)
Aufführungen | Schauspiel

Das Ende von Iflingen

Thalia in der Gaußstraße

Premiere: 24.5.2024 Stellt euch das mal vor: Am Tag des Jüngsten Gerichts macht sich der Erzengel fertig für seine große Show auf der Erde. Er schnappt sich sein flammendes Schwert und denkt sich: „Na gut, Zeit, ein paar Seelen zu richten!“ Der Engel Ludwig gesellt sich dazu und gemeinsam machen sie sich als himmlisches Duo auf den Weg nach… genau, Iflingen, eine Stadt voller Sünder. Woody Mues inszeniert eine fantastische Sightseeing-Tour durch die verrückte Apokalypse von Wolfram Lotz' Hörspiel.
Aufführungen | Schauspiel

Antiope

Deutsches SchauSpielHaus Hamburg

In Theben herrscht die Reinheit. Antiopes Vater, König Nykteus, erlaubt nur das Schöne, selbst schwitzen wird bestraft, alle Widersprüche sind verbannt. Antiope muss fort, sie sucht die Freiheit. Im Wald, im Wilden, Ungeordneten, im Unbeherrschten findet sie sie und wird gefunden: von einem Satyr, Wesen zwischen Mensch und Tier. Oder ist der Satyr vielleicht ein Gott, Zeus? Oder ist Zeus vielleicht Epopeus, König von Sykion? Oder ist Epopeus vielleicht ein ganz anderer? So oder so: Antiope wagt es, sich vom totalitären System ihres Vaters zu lösen, was brutale Rache gegen Mensch und Natur auslöst. Blind vor Hass lässt Nykteus den Wald roden, Antiope, inzwischen schwanger, muss bestraft werden. Nach Nykteus plötzlichem Tod übernimmt sein Bruder Lykos den Thron und potenziert die Totalität des Reinen zur Blutherrschaft. Antiopes Tante Dirke wird zu ihrer Peinigerin, fängt sie, sperrt sie weg, foltert sie. Erst als Antiopes Söhne, die Zwillinge Amphion und Zethos, erwachsen sind, gelingt ihr die Flucht aus der Folterkammer der Tante. Die Autorin Anne Jelena Schulte hat für das SchauSpielHaus Hamburg einen Text geschrieben, der sich auf die Suche macht nach der verlorenen Geschichte Antiopes, dieser Frau, die immer schon da war, aber nie eine Stimme hatte. Denn mit Euripides‘ verlorenem Drama »Antiope« ging nicht nur ein Stück Literatur verloren, sondern auch ein wichtiges Puzzlestück in der großen antiken Geschichte um die Stadt Theben. Anne Jelena Schulte schließt diese Lücke und fragt in ihrem vielstimmigen, hoch-musikalischen Text, welche Gefahr von einer Frau ausgeht, die ihrem Willen zur Freiheit, zur Selbstbestimmung, zur Eigenheit folgt und wie Emanzipation möglich werden kann, allen Widerständen zum Trotz. Henry Morten Oehlert wird mit seiner Inszenierung von »Antiope« erstmalig im RangFoyer des SchauSpielHaus Hamburg inszenieren. Regie: Henry Morten Oehlert Kostüme: Maja Beyer Musik und Komposition: Merlin Gebhard Dauer: 1 Stunde 30 Minuten
Aufführungen | Tanz

Flying Steps

Laeiszhalle

Hunger nach Aufmerksamkeit Zum dreißigjährigen Bestehen der Flying Steps präsentieren die Breakdancer ihren neuen Coup: »Flying Hänsel und Gretel« – den Klassiker der Grimm’schen Märchenwelt, so überraschend kraftvoll, so rasant getanzt und bildmächtig wie nie. Wie bringt man das meisterzählte Märchen der Welt zum Fliegen? Künstlerischer Leiter Vartan Bassil hat darauf eine so einfache wie schlagende Antwort: »Der Hunger der Kinder von heute ist der Hunger nach Aufmerksamkeit. Und die Verführung des Lebkuchenhauses, der sie nicht widerstehen können, ist die Macht der Social Media.« Der Wald der virtuellen Welt, in dem Hänsel und Gretel sich verlaufen, wirkt wie ein großes Versprechen: eine Märchenwelt, in der das Wünschen zu helfen scheint. Auf einmal eröffnen sich den Kindern alle möglichen und unmöglichen Träume und Bilder. Die Hexe – in diesem Märchenuniversum ist sie eine Influencerin – muss gar nicht viel tun, um immer mehr Einfluss zu gewinnen und sie in ihren digitalen Käfig zu sperren. Doch die Flying Steps heben damit nicht nur an zu einem choreographischen Flug durchs Hexenportal in die mediale Welt der Jetztzeit. Die Gegenwelt des Klassischen, das Zeitlose des Märchens bleibt ihr Ausgangs- und Kontrapunkt. Und so geht die rasante Reise des Märchens in beide Richtungen, ins Heute und ins Gestern, ins Mediale und Ursprüngliche im elektrisierenden Spannungsfeld zwischen Rap und Oper. Die wichtigste Zutat dabei ist: höchste künstlerische Qualität. Mit internationalen Topstars performen die Flying Steps ihre Hänsel und Gretel Show auf tänzerisch atemberaubendem Niveau, unterstützt von dem musikalisch Besten aus allen Welten: Klassik, Hiphop, Pop und Breakdance. Bitte beachten Sie: Diese Veranstaltung ersetzt den abgesagten Termin vom 20. Dezember 2023. Im Vorverkauf erworbene Eintrittskarten behalten ihre Gültigkeit für diese Veranstaltung. Ersatz für die Veranstaltung vom 20.12.2023
Aufführungen | Comedy

Nico Stank

Laeiszhalle

Stand Up und Live Comedy »Merkste selber« – das erste Bühnenprogramm von Nico Stank ist ein moderner, multimedialer Mix aus Stand Up und Live Comedy in Kombination mit einer ganzen Menge Humor, Interaktion, Tauben-Content, Alltagswahnsinn, Live Parodien und Nicola schaut natürlich auch vorbei. Nico Stank, geboren im Ruhrgebiet, entdeckte schon in der Schulzeit seine Liebe für Schauspielerei und Comedy. Nachdem er fest im Jungen Ensemble des Schauspielhaus Bochum war, ließ er sich 2009 zum Musicaldarsteller ausbilden. Seit 2013 wohnt Nico in Berlin und arbeitet dort als Schauspieler, Synchronsprecher und Stand-Up-Comedian. Nach diversen Engagements stand Nicos turbulente Welt mit Eintreten der Pandemie kurz still: Doch anstatt sich unterkriegen zu lassen zauberte er seinen Followern auf Social Media täglich ein Lachen ins Gesicht und unterhielt sie mit seiner unverwechselbaren Art. 2019 schuf Nico seine Kunstfigur Nicola und hat sich so zum ersten Mal richtig gefunden und akzeptiert. Auf der Bühne sowie auf Social Media versucht er, mit Selbstironie und Mut ein Vorbild für seine Follower:innen zu sein. Durch den Zuspruch seiner rapide wachsenden Community hat Nico gelernt, wie wichtig es ist, man selbst zu sein und dass es okay ist, dies auch in all seiner Vielfalt zu zeigen.
Aufführungen | Comedy

Till Reiners

Laeiszhalle

Der Comedian Till Reiners ist mit seiner neuen Show »Mein Italien« zurück. Er findet: »Die neue Show ist das beste Programm, das ich jemals hatte. Das behaupte ich zwar bei jedem Programm, aber bisher stimmte es auch immer. Diese Comedy-Show ist genauso wie sie klingt: entspannend, wohlschmeckend, ein wenig süffisant, immer mit einem kleinen Augenzwinkern, manchmal tief, aber nie schwer – wie ein sehr großer Reiserucksack gefüllt mit Zuckerwatte. Das ›mein Italien‹-Gefühl: Wenn du an einem späten Nachmittag in Rom zwei Aperol Spritz getrunken hast, in die Lichtstrahlen blinzelst, die das Kolosseum umspielen und dann merkst: ›Scheiße, jemand hat mein Portemonnaie geklaut.‹ Du verfluchst den Tag, die Stadt, das Leben, fragst dich ›warum ich?‹, wirst von Wildfremden auf einen Rotwein eingeladen, betrinkst dich, wachst am nächsten Tag auf und merkst: Das Portemonnaie war die ganze Zeit im Koffer. Das Gefühl, dass du dann empfindest, ist genau das gleiche, das du spüren wirst, wenn du aus der Show von Till Reiners kommst. Willkommen.«
Aufführungen | Film

Charlie Chaplin: The Great Dictator

Elbphilharmonie

Symphoniker Hamburg Dirigent: Timothy Brock The Great Dictator (Regie: Charlie Chaplin, US 1940) Film mit Originalmusik von Charlie Chaplin und Meredith Willson Es ist eines der großen Meisterwerke der Filmgeschichte, »vielleicht der bedeutsamste Film, der je produziert wurde« (New York Times): Mit »The Great Dictator« schuf Charlie Chaplin nicht nur eine Satire auf Adolf Hitler und den Nationalsozialismus, sondern auch ein allgemeines Manifest gegen Krieg und Totalitarismus. In der Eröffnungswoche des Internationalen Musikfests Hamburg, das unter dem Motto »Krieg und Frieden« steht, wird der Film auf großer Leinwand in der Elbphilharmonie gezeigt – mit Live-Soundtrack, gespielt von den Symphonikern Hamburg. Wie bei seinen früheren Filmen war Chaplin auch bei »The Great Dictator« für Drehbuch, Regie und Produktion gleichermaßen verantwortlich. Und er spielte auch die beiden Hauptrollen: die des Tyrannen Anton Hynkel und die des jüdischen Friseurs, der im Ghetto von Hynkels Sturmtruppen terrorisiert wird. Wegen der großen Ähnlichkeit der beiden kommt es am Ende des Films zur Verwechslung und zu jener berühmt gewordenen Rede, in der der »falsche« Diktator die große Bühne nutzt und in einem flammenden Appell zu Menschlichkeit und Weltfrieden aufruft. Gezeigt wird »The Great Dictator«, Chaplins erster Tonfilm, im englischen Original mit dem Originalsoundtrack von Charlie Chaplin und Meredith Willson. Zur Entstehung der Musik erklärt der Komponist Willson: »Wir haben den Film zusammen in 70 Sequenzen unterteilt und haben über Wochen für jede Sequenz die passende Musik geschrieben.« Chaplin sei bei diesem Prozess weit mehr gewesen als nur ein gelegentlicher Ideengeber: »Ich habe noch nie einen Mann getroffen, der sich so dem Ideal der Perfektion verschrieben hat wie Charlie Chaplin. Ich war ständig erstaunt über seine Aufmerksamkeit für Details, sein Gespür für die exakte musikalische Phrase oder das Tempo, um die von ihm gewünschte Stimmung auszudrücken.« Neben der eigenen Musik wussten Willson und Chaplin auch zwei fremde Werke auf legendäre Weise einzusetzen: Die Szene, in der Chaplin als Friseur einen Kunden zu den Rhythmen von Johannes Brahms’ Ungarischem Tanz Nr. 5 rasiert, ging ebenso in die Filmgeschichte ein wie der Tanz des Diktators Hynkel mit der aufgeblasenen Weltkugel zu den Klängen von Richard Wagners Lohengrin-Vorspiel.
Aufführungen | Schauspiel

Die Sorglosschlafenden, die Frischaufgeblühten

Deutsches SchauSpielHaus Hamburg

„Wie war denn ich? War ich nicht wie ein zerrissen Saitenspiel? Ein wenig tönt ich noch, aber es waren Todestöne.“ Hölderlin, »Hyperion« Es gibt neben dem Dichtergenie und neben dem Wahnsinnigen auch einen fast alltäglichen Hölderlin, der mit den Widersprüchen des Daseins kämpft, der sein Leben nicht im Griff hat und in seiner Verzweiflung Dinge zu Papier bringt, die uns in ihrer schlichten wenn auch manchmal paradoxen Einfachheit auf eine fast selbstverständliche Weise ansprechen und fesseln. Kein hoher Ton, keine Huldigung an das alte Griechenland und seine Götter und Held*innen sondern profanes Leiden, Ratlosigkeit und Überanstrengung sind dann seine Themen, trübe, voller Selbstzweifel und angewidert von den dumpfen Verhältnissen und stumpfen Mitmenschen und der Einsicht, selber auch nicht unbedingt besser zu sein. Auf der B-Seites des Lebens macht Hölderlin z. B. die Erfahrung, dass eine junge Dame (nicht Diotima), es ablehnt ihn zu heiraten. Er notiert dies sofort auf dem gleichen Blatt, auf dem er gerade noch eine seiner bedeutendsten Hymnen (»Mnemosyne«) entworfen hat:, „Und ledig soll ich bleiben“, und schickt gleich eine kleine Drohung an die Unwillige hinterher: „Leicht fanget aber sich, in der Kette, die es abgerissen, das Kälblein.“ Oder gegen die ihm nicht unbekannte Euphorie des Dichters, die Gefahr abzuheben und den Boden unter den Füßen zu verlieren, schreibt er: „Man kann auch in die Höhe fallen, so wie in die Tiefe“, nämlich dann, wenn man die Nüchternheit verliert, die für jeden unterschiedlich die „Grenze deiner Begeisterung“ markiert. Hölderlins Werk, zumindest ab 1794, beschäftigt sich intensiv auch mit profanen Lebensfragen, die ihn ganz persönlich quälten. Er war nicht nur der heroisch leidende Dichter, er war auch einfach eine arme Kreatur, die litt, „weil sich ein Traum sich mir nicht erfüllte“ und die sich fragte, „was ist mir fehlgeschlagen?“. Hölderlin wusste, dass seine Oden, seine Hymnen und Gesänge zwar sehr ernst waren, aber so ernst auch wieder nicht. Das Leben selbst jedenfalls war noch viel ernster als etwa sein perfekt gelungenes Gedicht wie »Hälfte des Lebens«. Und seine dichterische Hochbegabung war immer nur ein schwacher Trost, zumal wenn Goethe und Schiller mit allerlei unverschämten Invektiven in konzertierter Aktion versuchten ihn kleinzuhalten, womit sie ihn zwar als ernsthaften Konkurrenten anerkannten, aber auch an seinem gesellschaftlichen und ökonomischen Ruin beteiligt waren, den er allerdings hauptsächlich seiner „geizigen“ Mutter zu verdanken hatte, die ihn von dem ihm eigentlich zustehenden Erbe fernhielt. Selbst als er nach seinem Rausschmiss aus dem Bankhaus Gontard in Frankfurt und der damit verbundenen Trennung von seiner Geliebten zu seinem besten Freund Isaac von Sinclair nach Bad Homburg zog, musste er feststellen, dass er dessen vermeintlich reine und exklusive Zuneigung, die starke homoerotische Züge trug, mit einem ganzen Haufen „auffallender Gestalten“ zu teilen hatte, die Sinclair (Alabanda im »Hyperion«) ihm lange verschwiegen hatte. „Mir war wie eine Braut, wenn sie erfährt, dass ihr Geliebter insgeheim mit einer Dirne lebe.“ Die B-Seite des Lebens bringt immer wieder ungeahnte Höhepunkte hervor. Das sieht man in der Musikindustrie, wo die eigentlichen Meisterwerke oft auf der B-Seite zu finden sind, und genauso schon bei Hölderlin, der schrieb, zur „wahrsten Wahrheit“ gehöre auch der Irrtum. Und der auch dem „Inferioren“ und sogar dem „Barbarischen“ einen legitimen Platz zugestand, zumindest in der Sprache der Poesie, die ihm gleichzeitig zuwider war. „Ich kann meine Sprache nicht mehr ertragen, ich wollte lieber ein Ton sein, im Himmelsgesang.“ Im profanen Scheitern, in den kleinen und großen Fehlschlägen, aber auch in Hirn zermarternden Denkanstrengungen, denen kein Paradox fremd ist, bewegen sich »Die Sorglosschlafenden, die Frischaufgeblühten« in Christoph Marthalers Hölderlinbetrachtung, tapfer, ergeben und verschwindend, übergehend in Töne, in Musik. Sie wirken wie Illustrationen der Klagen des Dichters, aber sie sind keine Illustrationen, sie sind einfach. „Wir wohnen hier unten einsam und arm, wie der Diamant im Schacht.“ Um diese so gegenwärtige Erfahrung der sozialen Distanz und der Abkapselung selbst zu machen, brauchen wir keine Corona bedingte Isolation, wir brauchen nur ein bisschen Hölderlin. Oder anders ausgedrückt: Die Coronaregeln formulieren ein Extrem, das für Hölderlin ein ganz unvermeidlicher Teil moderner Tragik ist. „Das ist das Tragische bei uns, dass wir ganz still in irgendeinen Behälter eingepackt, vom Reich der Lebendigen hinweggehen, nicht, dass wir in Flammen verzehrt, die Flammen büßen, die wir nicht zu bändigen vermochten.“ Ich glaube, Christoph Marthalers freundlicher Sarkasmus und Friedrich Hölderlins „in die Höhe Fallen“ passen ganz gut zusammen, und auch ein „zerrissen Saitenspiel“ ist zu schönen Tönen fähig. (Carl Hegemann, Hamburg, 29/11/2020) Regie: Christoph Marthaler Bühne: Duri Bischoff Kostüme: Sara Kittelmann Licht: Annette ter Meulen Idee und künstlerische Beratung: Carl Hegemann Dramaturgie: Malte Ubenauf Viola da Gamba: Martin Zeller Klavier und Clavichord: Bendix Dethleffsen Koproduktion mit dem Schauspielhaus Zürich und der Akademie der Künste Berlin / gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds Dauer: 1 Stunde 25 Minuten, Keine Pause
Aufführungen | Schauspiel

ANTHROPOLIS III: Ödipus

Deutsches SchauSpielHaus Hamburg

Das bekannteste Rätsel aller Zeiten wird von Ödipus gelöst. Auf die Frage der Sphinx, welches Wesen nur eine Stimme hat und manchmal zwei Beine, bisweilen drei, manchmal vier und umso schwächer ist, je mehr Beine es hat, antwortet Ödipus: „der Mensch“. Das Zeitalter des Anthropozän hat auf mythischer Ebene angefangen. Die Sphinx ist tot. Doch jetzt, da die Rätsel gelöst sind, beginnen die Probleme. Ödipus, dem gerade prophezeit worden ist, dass er seinen Vater töten und seine Mutter heiraten würde, erhält zum Dank für seinen Triumph die Herrschaft in Theben. Eine beispiellose Entscheidung der Stadt, einem Fremden die Macht zu überlassen. Zunächst scheint seine „vernünftige“ Regentschaft dem Bürgerbegehren recht zu geben. Unter seiner Regierung prosperiert die Stadt. Doch unwissend schlittert er immer tiefer in sein Schicksal hinein. Mit seiner Mutter Iokaste zeugt er vier Kinder: die Söhne Eteokles und Polyneikes und die Töchter Antigone und Ismene. Dann bricht eine Pestepidemie in Theben aus. Das ist die Stunde der Rückkehr der Religion. Apollon, die Priesterin und der Seher Teiresias holen zum Gegen schlag aus. Der Aufklärer Ödipus führt den ersten Indizienprozess der Weltliteratur gegen sich selbst. Doch wehrt er sich in einem letzten Akt der Selbstermächtigung gegen das Vermächtnis einer absoluten Wahrheit. Vergeblich? Mit »Ödipus« hat Sophokles ein Meisterwerk der Literaturgeschichte geschrieben. Bis heute inspiriert die Tragödie zu zahlreichen Neudeutungen des Macht- und Wahrheitskomplexes, dem eine Gesellschaft unterliegt. Regie: Karin Beier Bühne: Johannes Schütz Kostüme: Wicke Naujoks Licht: Holger Stellwag Musik: Jörg Gollasch Sprechtraining Chöre: Alexander Weise Dramaturgie: Sybille Meier Dauer: 1 Stunde, 45 Minuten, Keine Pause
Aufführungen | Schauspiel

ANTHROPOLIS I: Prolog / Dionysos

Deutsches SchauSpielHaus Hamburg

Prolog: Die Geschichte der Stadt Theben beginnt mit einem zweifachen Mord. Nachdem Kadmos vergeblich seine von Zeus entführte Schwester Europa auf dem Kontinent gesucht hat, wendet er sich an das Orakel von Delphi. „Vergiss die Schwester“, lautet die Antwort, „treibe eine Kuh vor dir her und dort, wo sie sich niederlässt, gründe eine Stadt.“ Kadmos hetzt die Kuh so lange vor sich her, bis sie tot zusammenbricht in der Nähe einer Quelle, die wiederum von einem Drachen bewacht wird. Den erschlägt Kadmos, bricht ihm die Zähne aus und sät sie in die Erde. Sofort wachsen aus den Zähnen bewaffnete Drachenmänner, Krieger, die sich gegenseitig niedermetzeln – nur fünf überleben das Massaker. Mit ihnen gründet Kadmos die Stadt Kadmeia, später das siebentorige Theben genannt. Von Anfang an ist die Gewalt der Zivilisationsgeschichte eingeschrieben. Schon die ersten zivilisatorischen Maßnahmen zur Gründung dieser Urstadt der westlichen Welt zeigen sich als Tötungsdelikte. Die Vernichtung des Tieres und des Tierwesens ist quasi die Voraussetzung, um überhaupt als Gesellschaft im urbanen Raum existieren zu können. Wie aber lassen sich die Gewaltakte stoppen, die die Grundfeste der Menschenstadt von Generation zu Generation aufs Neue erschüttern? Dionysos: Die Geschichte von der Geburt des Dionysos aus dem Schenkel des Zeus klingt mehr als bizarr. Kein Wunder, dass sie niemand glauben will in Theben, nachdem Dionysos’ irdische Mutter Semele, eine Tochter des Kadmos, so schändlich verbrennen musste. Angeblich hat der Erzeuger Zeus den Fötus aus dem Feuer geholt und in seinem Bein ausgetragen. Inzwischen ist Theben zu einer reichen Stadt angewachsen, und Kadmos hat den Thron an seinen Enkel Pentheus abgetreten. Da taucht Dionysos auf und behauptet, ihm stünde religiöser Kultstatus zu. Doch der auf Maß und Regeln getrimmte Pentheus verweigert ihm den Glauben. Dionysos stürzt daraufhin das Ordnungssystem des Patriarchen in eine tiefe politische und moralische Krise. Er schickt die Frauen auf einen Trip und verbreitet unter ihnen Wahnsinn und Raserei. Der Rausch endet grausam und blutig. Dionysos triumphiert über die Ungläubigen der Stadt. Er scheint eine kollektive Lust am gewaltsamen Untergang freigelegt zu haben, die dem Konstrukt „Stadt“ in seinen verdrängten Positionen innewohnt. Mit den »Bakchen« hat Euripides seine letzte und radikalste Tragödie geschrieben. Die Übertragung und Bearbeitung der »Bakchen« unter dem neuen Titel »Dionysos« verschärft die Konflikte zwischen Untergangsphantasien und Vernunftdenken, Ordnungswahn und Lust am Chaos zu heutigen Fragestellungen einer Stadtgesellschaft. Wieviel Spannungszustände sind wir noch bereit auszuhalten? Regie: Karin Beier Bühne: Johannes Schütz Kostüme: Wicke Naujoks Licht: Annette ter Meulen Musik: Jörg Gollasch Dramaturgie: Sybille Meier Dauer: 2 Stunden 50 Minuten, inkl. einer Pause
Aufführungen | Schauspiel

Matthias Brandt & Jens Thomas: DER HORLA

Deutsches SchauSpielHaus Hamburg

Ein Mann beginnt unter seltsamen Erscheinungen zu leiden. Er sieht Dinge, hört Geräusche, die außer ihm niemand wahrnimmt. Immer mehr steigert er sich in die Vorstellung hinein, dass ein furchtbares, unbekanntes Wesen von ihm Besitz ergreift. Das Unsichtbare wird zur Obsession, bis er eines Tages vor der Erkenntnis steht: „Ich kann nicht mehr wollen, aber jemand will für mich.“ »Der Horla« ist die bekannteste phantastische Novelle Maupassants, ein frühes Meisterwerk der psychologischen Horrorliteratur. Jens Thomas und Matthias Brandt knüpfen hier an ihre gemeinsame Arbeit in »Psycho« an und nehmen Maupassants Novelle zur Vorlage für ihre neueste Zusammenarbeit.
Aufführungen | Schauspiel

Anna Karenina - allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie

Deutsches SchauSpielHaus Hamburg

„Alle glücklichen Familien sind einander ähnlich, jede unglückliche Familie ist unglücklich auf ihre Weise.“ Ob das so stimmt, oder ob nicht vielleicht sogar das Gegenteil der Fall ist, lässt uns der russische Schriftsteller Lew Tolstoi in seinem Jahrtausend-Werk »Anna Karenina« ergründen. Die Protagonistin des Romans ist eine der drei namhaften Ehebrecherinnen des 19. Jahrhunderts, die im Verstoß gegen gesellschaftliche Gepflogenheiten an ihrer leidenschaftlichen Liebe zu einem anderen als ihrem Ehemann zugrunde gehen muss. Clemens Sienknecht und Barbara Bürk setzen ihre Serie des menschlichen Scheiterns fort. Die dritte Folge ihrer hochgeschätzten Radioshow »Berühmte Seitensprünge der Weltliteratur« widmen sie dieses Mal der Titelheldin aus Russland, die es ziemlich genau 20 Jahre vor Effi Briest und ungefähr 20 Jahre nach Emma Bovary mit eben dergleichen Geschichte zu eben demselben Weltruhm gebracht hatte. Regie: Barbara Bürk, Clemens Sienknecht Bühne und Kostüme: Anke Grot Licht: Björn Salzer Ton: Finn Corvin Gallowsky, Katja Haase Dramaturgie: Sybille Meier Dauer: 2 Stunden, Keine Pause
Aufführungen | Schauspiel

Macbeth

Deutsches SchauSpielHaus Hamburg

Macbeth ist ein loyaler schottischer Feldherr, der sich für seinen König in jede Schlacht wirft. Niemals käme er auf die Idee, selber der Erste sein zu müssen, wären da nicht Stimmen, die ihm genau diesen Gedanken einflüstern. Oder sind diese Stimmen – „fair is foul and foul is fair“ – seine eigenen? Macbeth verlernt zu unterscheiden: Tag und Nacht, Traum und Wirklichkeit, gut und böse. In seinem späten, dem „schottischen Stück“, erzählt Shakespeare von angstgesteuertem Machtstreben und Machterhalt um jeden Preis. Die Konsequenzen sind Mord, Verderben, Paranoia, Einsamkeit. Der schreckhafte Macbeth wird selbst zum größten Schreckgespenst. Nach ihrer viel beachteten Inszenierung »Richard the Kid & the King«, die weiterhin im Repertoire zu sehen ist, widmet sich Karin Henkel Shakespeares anderem exemplarischen Monster. Kristof Van Boven erhielt für seine Darstellung des Macbeth den Theaterpreis Hamburg – Rolf Mares. Regie: Karin Henkel Bühne: Katrin Brack Kostüme: Adriana Braga Peretzki Kostümmitarbeit: Tabea Harms Licht: Holger Stellwag Musik: Friederike Bernhardt, Matti Gajek Dramaturgie: Roland Koberg Dramaturgiemitarbeit: Finnja Denkewitz Dauer: 2 Stunden 30 Minuten, inkl. einer Pause
Aufführungen | Schauspiel

Johanna

Deutsches SchauSpielHaus Hamburg

Hexe oder Heilige, so lauten die unversöhnlichen Urteile der Jeanne d’Arc Überlieferungen. Mit nur 17 Jahren bricht Johanna auf, um eine schon verloren geglaubte Welt wieder ins Lot zu bringen. Ihre Reise endet auf dem Scheiterhaufen, hunderte Jahre später wird sie wiederum heiliggesprochen. Seitdem wird ihr Mythos politisch aufgeladen: als Ikone eines mutigen Idealismus, als Beispiel für einen fatalen Fanatismus oder als heilbringende Heldin. Johanna ist vieles. Immer wieder dient sie dabei als Bild für all jene jungen Frauen, die scheinbar im Alleingang den Status Quo herausfordern, sei es nun den des Patriarchats, der ausbeuterischen Arbeitsverhältnisse oder der Klimapolitik. In Schillers „romantischer Tragödie“ führt Johanna das französische Heer gegen England durch ihren festen Glauben – und mit Gewalt – schließlich zum Sieg. Während bei Schiller Johanna ihr Handeln mit Gott legitimiert, sieht Leonie Böhm hinter dem Mythos Johanna einen Menschen, der sich zwischen Ohnmacht und Allmacht, Zweifel und Wunder, eigenen Visionen und fremden Projektionen ständig transformiert, immer auf der Suche nach Haltung und in der unendlichen Hoffnung auf Veränderung. Gemeinsam mit dem Ensemble begibt Leonie Böhm sich mit »Johanna« auf die Suche nach neuen Glaubenssätzen, die uns helfen alte Systeme zu durchbrechen und über uns selbst und unsere bisherigen Gewissheiten hinauszuwachsen. Live Musik: Fritzi Ernst Regie: Leonie Böhm Bühne: Zahava Rodrigo Kostüme: Lena Schön, Helen Stein Musikalische Leitung: Fritzi Ernst Licht: Björn Salzer Dramaturgie: Helena Eckert Koproduktion mit dem Schauspielhaus Zürich Dauer: 1 Stunde 20 Minuten, Keine Pause
Aufführungen | Schauspiel

Hamlet - Zeit aus den Fugen

Deutsches SchauSpielHaus Hamburg

Eine Kooperation mit der Theaterakademie Hamburg »Hamlet« ist ein Einschnitt in der dramatischen Arbeit Shakespeares‘ - und vielleicht auch in der menschlichen Geschichte, worin das Juwel »Hamlet« eine neue Dimension eröffnet. Bis dahin verfasste Shakespeare historische Dramen und Komödien von hochwertiger Qualität, die aber auf keine Weise an die Werke heranreichen, die nun folgen und jenseits aller bis dato bekannten Genres angesiedelt sind: King Lear und Der Sturm. Nicht allein „das Psychologische“ ist das Neue; das Stück als Ganzes mit allen Verästelungen und seiner ganzen politischen Aufladung erzeugt Resonanz (über Jahrhunderte) als Modell für komplexe psychische und historische Prozesse. Warum? Wie ist das möglich? Eine der Voraussetzungen erkennt der Psychoanalytiker Jacques Lacan im Kontakt mit dem Tod. »Hamlet« ist das Drama der Begegnung mit dem Tod. Tatsächlich sterben Shakespeares Vater und sein Sohn Hamnet vor Niederschrift des Stücks, nebenbei mehren sich beunruhigende Anzeichen des Endes des halbwegs friedlichen Elisabethanischen Zeitalters. – Es ist andererseits ein kaum noch strittiges Merkmal der westlichen Kultur, dieser Begegnung um jeden Preis und nahezu blindwütig (oder konsumberauscht) auszuweichen. Und vielleicht hat deshalb »Hamlet« die widersprüchlichsten und auch verschrobensten Interpretationen der Literaturgeschichte provoziert, weil sich kaum jemand mit der Erfahrung größter Verunsicherung im Herzen des Dramas konfrontiert: Hamlets Auseinandersetzung mit dem toten Vater, seinen „Sünden“ und seiner Größe, mit Obszönität und Idealisierung: Der aus dem Reich zwischen Leben und Tod aufgetauchte Vatergeist gebietet seinem Sohn, die Rechnung zu begleichen, die er selbst nicht bezahlt hat… In Frage also steht das Erbe, was es wert ist und wofür man noch eintreten kann… Was für eine großartige Vorlage also für die diesjährige Abschlussarbeit der Schauspielstudent*innen der HfMT – kurz vor dem Eintritt ins Berufsleben, eine letzte Infragestellung. Inszenieren wird »Hamlet – Zeit aus den Fugen« die in Paris lebende Regisseurin Catherine Umbdenstock. Regie: Catherine Umbdenstock Bühne: Malte Knipping Kostüme: Jana Sophia Schweers Licht: Björn Salzer Dramaturgie: Ralf Fiedler
Aufführungen | Comedy

Siegfried & Joy: Las Vegas in Hamburg

Deutsches SchauSpielHaus Hamburg

Aufgeladen mit glühender Energie und angestauter Euphorie der letzten Monate stürmen die Königstiger der Zauberszene die Bühne und lassen mit ihrer neuen Show die Gesichter wieder erstrahlen! Mit neuen Tricks und Stories, aber mit unverändertem Charme und Witz und der Liebe für Magie feiern die beiden Berliner Disco-Magier ihre neue Show. Wir präsentieren diese Veranstaltung zusammen mit dem Centralkomitee in Hamburg-St. Georg. Das Centralkomitee ist eine Comedy- und Kleinkunstbühne auf dem Steindamm 45. Ein Blick ins Programm und Vorbeischauen lohnt sich! www.centralkomitee.de/tickets Dauer: 1 Stunde 30 Minuten
Aufführungen | Schauspiel

Jeeps

Deutsches SchauSpielHaus Hamburg

Was bisher Schicksal war, wird Lotterie. Die 400 Milliarden Euro, die hierzulande jährlich zu erben sind, können nun gewonnen werden. Echtes Losglück statt bloße Eierstocklotterie lautet die Gesetzesnovelle in der neuesten Farce von Nora Abdel-Maksoud, nominiert für den Mülheimer Dramatikpreis 2022. Machte man Ernst damit, so würde mit der ungeheuren Geldmenge auch gewaltige politische und wirtschaftliche Macht neu verteilt, Ungleichheit zwar nicht abgeschafft, aber doch Gerechtigkeit hergestellt sein … ein Stück weit. Angesiedelt wird das neue Amt für die Erbschaftslotterie gleich neben dem Jobcenter. Arme und junge Erben (ohne Erbe) sehen sich jetzt wieder. Auf dem Amt (eine Verlosungsshow ist in Vorbereitung) treffen zwei Sachbearbeiter auf zwei Frauen, bewaffnet mit einer Pistole. Sie drohen, den lang ersparten Geländewagen des gesichtsblinden Mitarbeiters in die Luft zu jagen. Die eine, Hartz-IV-Empfängerin, wurde beim Pfandflaschensammeln erwischt und will nicht einsehen, dass ihr Pfanderlös abgezogen wird. Die andere, Tochter eines gerade Verstorbenen, möchte das Los mit „ihrem“ Erbe ausgehändigt bekommen. Wer reich geboren wurde, will nicht auf das Geld verzichten, und wer nur die Grundsicherung bekommt, hat nun die Chance, endlich reich zu werden. Neue, harte Verteilungskämpfe beginnen, ausgetragen (wie immer bei Nora Abdel-Maksoud) mit viel bitterbösem Witz. Mit »Jeeps« kratzt die Autorin am empfindlichen Bedürfnis nach sozialer Sicherheit, dem wunden Punkt einer Gesellschaft, in der Klassenunterschiede höchst wirksam selektiv sind, ständig jedoch verleugnet werden. Mit bissiger Zuspitzung und Präzision seziert Abdel-Maksoud unser Denken und Handeln auf Basis von Kontoständen, Testamentseröffnungen und gefühlten Bedrohungen. Regie, Bühne und Kostüme: Heike M. Goetze Dramaturgie: Ralf Fiedler, Ludwig Haugk Musik: Thomas Seher Licht: Annette ter Meulen Dauer: 1 Stunde 30 Minuten, Keine Pause
Aufführungen | Schauspiel

ANTHROPOLIS II: Laios

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In Theben hebt nach dem Ende des Pentheus und der Machtübernahme durch Labdakos, einem weiteren Enkel von Kadmos, eine Zeit voller Gewaltexzesse an. Schließlich wird Laios, der Sohn des Labdakos, aus dem Exil zurückgeholt und inthronisiert. Doch kommt er nicht allein, der junge Chrysippos aus Pisa begleitet ihn. Ist er der Grund für die Kinderlosigkeit des neuen Königspaares Laios und Iokaste oder ist es doch der Orakelspruch der Seherin Pythia? Schon taucht die nächste Kreatur vor den Toren der Stadt auf: die Sphinx, ein Tierwesen aus Löwe, Frau und Vogel, das die Stadt singend und rätselhaft in den mörderischen Wahnsinn treibt. In einem hochpoetischen und multiperspektivischen Monolog, der die verschiedenen Charaktere und Mythenvarianten über den Vater des Ödipus zu Wort kommen lässt, geht die Inszenierung der Frage nach, was das Paar Laios und Iokaste trotz des religiösen Verbotes dazu bewogen haben könnte, einen Nachkommen zu zeugen. Wie viel Verantwortung tragen die Eltern am Schicksal ihres Kindes Ödipus, das sie gleich nach der Geburt im Gebirge verschwinden lassen wollten? Wie viel Schuld wird von Generation zu Generation weitervererbt und wie viel Freiheit bleibt dem einzelnen, sich daraus wieder zu befreien? Regie: Karin Beier Bühne: Johannes Schütz Kostüme: Wicke Naujoks Licht: Annette ter Meulen Video: Voxi Bärenklau Musik: Jörg Gollasch Dramaturgie: Sybille Meier Dauer: 1 Stunde 30 Minuten, Keine Pause

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