Aufführungen / Theater
Deutsches Schauspielhaus Hamburg
Hamburg, Kirchenallee 39
- Theaternacht Hamburg 2026
- Das Adressbuch
- Fremde Sonne-Marathon
- Prolog / Zwischenspiel / Die Argonauten
- Medea in Kolchis
- Medea in Korinth
- Ein Sommer in Niendorf
- Fabian oder Der Gang vor die Hunde
- Die Möwe
- alphabet
- Das Bildnis des Dorian Gray
- Vampire’s Mountain
- A Perfect Sky
- Drosseln
- Richard the Kid & the King

- Kabale und Liebe - allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie
- Zur Person: Hannah Arendt
- Der eigene Tod
- Société Anonyme
- ANTHROPOLIS II: Laios

- Virtueller Rundgang
- Der Zuschauerraum des Schauspielhaus zählt zu den schönsten Theaterräume Deutschlands.
Aufführungen
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Société Anonyme
Deutsches SchauSpielHaus Hamburg
Licht an, Bühne frei! Im Theater treten Menschen ins Licht, damit das Publikum ihnen zuschauen und sich mit ihnen identifizieren kann. Aber was ist mit jenen, die das Rampenlicht scheuen? Wohin mit den Anliegen, die den Schutz der Anonymität brauchen, wie die Demokratie die Urne? Wie lässt sich die Intimität von Gesprächen nach dem Lichterlöschen ins Theater überführen? Mit geschlossenen Augen gelingt das Zuhören besser. Ob bei der Beichte, im Darkroom, im Aktiengeschäft, in Chatforen, am Telefon oder bei Stromausfall: Ohne Licht und Gesicht entsteht Raum für eine Seite der Gesellschaft, die den Glamour scheut. In »Société Anonyme« gewährt die Dunkelheit Geschichten und Erzählenden Schutz vor Scham, Furcht und Bewertung. Von Darkweb bis Telefonseelsorge, hinter dem Schleier des Hijab oder der verdunkelten Scheibe einer Limousine, bei Whistleblowern und der Hackergruppe Anonymous … In der Dunkelkammer entwickelt sich das Bild einer anderen Stadt. Nach »Welt-Klimakonferenz« kommt Stefan Kaegi von Rimini Protokoll zurück ans Deutsche SchauSpielHaus, um mit unsichtbaren Darsteller*innen und technisch ausgeklügelter, raumgreifender Audiotechnik das Publikum in die unterbelichteten Bereiche des Zusammenlebens mitzunehmen. Es heißt gemeinhin: „What you see is what you get.“ Aber seit Mackie Messer ist auch klar, was dabei verpasst wird: „Die im Dunkeln sieht man nicht.“ Hinweis: Dem Thema des Abends entsprechend berichtet das Stück unter anderem von rassistischen und ableistischen Diskriminierungserfahrungen, sexueller und psychischer Gewalt sowie von Suchtverhalten. Die Veranstaltung findet im Dunkeln statt, ist nicht für Duftallergiker*innen geeignet und ist empfohlen für Menschen ab 18 Jahren. »Société Anonyme« ist eine Produktion des Deutschen Schauspielhaus Hamburg, in Kooperation mit Rimini Protokoll und Residenz Schauspiel Leipzig. Konzept & Regie: Stefan Kaegi Raum: Aljoscha Begrich Musik: Arvild J. Baud Dramaturgie: Ludwig Haugk, Aljoscha Begrich Mitarbeit Recherche: Morín Alejandra González Mena Begleitung & Bühnen-Assistenz: Paula Doerksen, Martina Vermaaten 2 Stunden, Keine Pause
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Der eigene Tod
Deutsches SchauSpielHaus Hamburg
Fast protokollarisch, präzis und poetisch beschreibt der preisgekrönte ungarische Autor Péter Nádas, was der Titel benennt: den eigenen Tod. Nur knapp überlebt er einen Herzinfarkt. Im Schwebezustand zwischen Diesseits und Jenseits begegnet ihm „der/die/das Andere“ in sich. Sich selbst ganz entfremdet erfährt er das Erlöschen des Denkens – und sein Wiedereinsetzen. Nur Zusammenhang und Kontinuität zu allem, was bisher war, scheinen verloren. „Deine einstigen Erlebnisse schweben im All der Zeitlosigkeit als Schatten von Planeten mit dir.“ Einer der größten Autoren des 20. Jahrhundert berichtet in diesem knappen Essay auf einzigartige Weise von einem Zustand, dessen Auswirkungen sein bisheriges Leben, aber auch seine Arbeit als Schriftsteller nachhaltig erschüttern. Was diesem maximal persönlichen Text zusätzlich eine ungeheure Aktualität verleiht: Nádas schildert beängstigend lebensnah, wie lange und hartnäckig er die Symptome ignoriert, wie er mit ungeheurer Anstrengung den Schmerz und die Schwäche wegdrückt, bis buchstäblich in den Tod. Und weiter zurück, an den Anfang, den Moment der Geburt, 1942, Budapest. Regie: András Dömötör Bühne: Julia Oschatz Kostüme: Jana Sophia Schweers Licht: Björn Salzer Dramaturgie: Ralf Fiedler Dauer: 1 Stunde 15 Minuten
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Zur Person: Hannah Arendt
Deutsches SchauSpielHaus Hamburg
1964 gibt Hannah Arendt dem noch jungen Journalisten Günter Gaus ein Interview, das inzwischen legendär ist. Arendt begegnet ihrem sanften Gegenüber mit der gnadenlosen Präzision ihrer Intellek tualität. Immer wieder kommt sie auf den Schock von 1943 zu sprechen, als sie, inzwischen im US-amerikanischen Exil, von der „Fabrikation der Leichen“ (Arendt) in Auschwitz erfuhr. Ein Schock, aus dem ihre politische Theorie des Begreifens erwuchs: „Begreifen bedeutet, sich aufmerksam und unvoreingenommen der Wirklichkeit, was immer sie ist oder war, zu stellen und entgegenzustellen.“ Es ist dies ein Entgegenstellen, das, 2025, immer schwieriger zu werden droht. Nicht nur, weil der Wille genau hinzuschauen schwindet, sondern schlicht und ergreifend deshalb, weil 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs das Erinnern an Wirklichkeit, die immer auch Vergangenheit ist, schwindet. Julia Wieninger erweckt in diesem Re-Enactment die große Hannah Arendt einen Abend lang zum Leben. Konzept: Julia Wieninger, Martin Györffy Bühne: Julia Oschatz Kostüme: Jana Sophia Schweers Licht: Björn Salzer Mit: Julia Wieninger, Michael Weber Dauer: 1 Stunde 10 Minuten, keine Pause
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Kabale und Liebe - allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie
Deutsches SchauSpielHaus Hamburg
Und da sind sie endlich wieder. Mit einer brandneuen Folge ihrer heißgeliebten Radioshow nimmt sich die Crew von »Effi Briest«, »Anna Karenina« und den »Nibelungen« diesmal einen Top-Theater-Klassiker vor, der in der Stücke-Hitparade bis heute einen der vordersten Plätze belegt. Bei Wind und Wetter mit Sturm und Drang geht Radio Schiller im Deutschen SchauSpielHaus demnächst live auf Sendung. Für die einen „eine Jugendsünde, voll ekelhafter Wiederholungen und gotteslästerlicher Ausdrücke, voll krassen pöbelhaften Witzes und unverständlichem Geschwätz“ (Clemens Brentano und Karl Philipp Moritz), für die anderen „der alles überragende Gipfelpunkt des bürgerlichen Dramas“ (Otto Brahm) – »Kabale und Liebe« garantiert gefährliche Lieb- und Leidenschaften und zieht sämtliche Register einer gerissenen Intrige. Theodor Fontane hat das Trauerspiel „nun wohl zwanzigmal gesehen, aber ist immer aufs Neue wie hingerissen davon. Es gibt weniges, was von der Bühne her mächtiger wirkte.“ Denn, so der Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki, „gegen Schiller scheint kein Kraut gewachsen.“ Regie: Barbara Bürk, Clemens Sienknecht Bühne und Kostüme: Anke Grot Dramaturgie: Judith Gerstenberg Licht: Jan Vater 1 Stunde 50 Minuten, Keine Pause
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Richard the Kid & the King
Deutsches SchauSpielHaus Hamburg
mit Texten von Tom Lanoye Fassung von Karin Henkel, Sybille Meier und Andrea Schwieter Mit Texten aus »Eddy the King« aus »Schlachten!« von Tom Lanoye und Luk Perceval Deutsch von Rainer Kersten Er war eine schwere Geburt. Die Ankunft Richards III. auf der Welt ist überschattet von merkwürdigen Vorzeichen. Wäre es vielleicht besser gewesen, dieses Kind wäre nie geboren? Richards Mutter, die Herzogin von York, ahnt Böses: Von Anfang an bleibt ihr der Sohn dunkel und fremd. Kaum kann sie Liebe zu ihm entwickeln, wie er auch sonst überall auf Ablehnung stößt. Später, im jugendlichen Alter, erweist er sich in den Schlachten um die englische Krone als äußerst kaltblütig, brutal – und erfolgreich. Sind Machtgier, Skrupellosigkeit und Zerstörungswut Ergebnis einer zerstörten Kindheit? Sind die Ursachen in sozialen und familiären Kontexten auszumachen oder gibt es schlicht keine erschöpfende Erklärung für die Existenz egomaner und boshafter Machtmenschen? Mit Richard III. betritt einer der größten Antihelden der Theaterliteratur die Bühne: schamlos, gierig, gewalttätig, schlechthin die Inkarnation des Bösen. Zugleich ist er eine Hauptattraktion des Shakespeare’schen Kosmos: hellsichtig, witzig, heuchlerisch, verführerisch. Er weiß um die Manipulierbarkeit der Menschen, ist ein großer Lügner, ein Virtuose der Instrumentalisierung anderer und der genussvollen Selbstinszenierung. Ein genialer Coup, der diese Rolle bis heute zu einer außerordentlichen schauspielerischen Aufgabe macht. Karin Henkel nimmt die Königsdramen »Heinrich VI.« und »Richard III.« als Ausgangspunkt ihrer Inszenierung. Unter Verwendung von Texten aus »Schlachten!« von Tom Lanoye und Luc Perceval, übersetzt von Rainer Kersten, richtet sie in »Richard the Kid« den Fokus auf die Kindheit und die Familiengeschichte Richards, die Zeit vor seiner Machtergreifung. Seit Jahren liefern sich die Häuser York und Lancaster erbitterte und blutige Schlachten um die englische Königsherrschaft in den sogenannten „Rosenkriegen“. In »Richard the King« befasst sich Karin Henkel mit dem politischen Umfeld des berühmt-berüchtigten Machthabers. Warum spielen alle mit, obwohl sie um die Lügen und das falsche Spiel Richards wissen? Wie gelingt Richard der zynische Spagat, die Menschen einerseits aufs Tiefste zu verabscheuen, sie andererseits aber doch für seine Zwecke zu gewinnen? Shakespeare zeigt auf eindrückliche Weise das kollektive Versagen eines ganzen Landes und die Deformation einer verunsicherten Gesellschaft, deren zunehmende Verrohung den Aufstieg des Tyrannen erst ermöglicht. Beunruhigend bleibt, was hinter unserem Vergnügen steckt, Richard in seinen dunkelsten Machenschaften zu folgen. Für ihre Rolle des Richard in »Richard the Kid & the King« erhielt Lina Beckmann den NESTROY-Theaterpreis 2021 in der Kategorie »Beste Schauspielerin« und wurde außerdem dafür mit dem Gertrud-Eysoldt-Ring geehrt. Bei der jährlichen Umfrage der Fachzeitschrift Theater heute wurde sie für ihre Hauptrolle in »Richard the Kid & the King« für ihre herausragende Leistung zur besten Schauspielerin des Jahres gekürt. Sie erhielt ebenfalls den Deutschen Theaterpreises DER FAUST in der Kategorie Darsteller:in Schauspiel für ihre Rolle. Regie: Karin Henkel Bühne: Katrin Brack Kostüme: Klaus Bruns Licht: Rainer Casper Musik: Arvild J. Baud Dramaturgie: Sybille Meier, Andrea Schwieter Dauer: 4 Stunden 15 Minuten, inkl. einer Pause
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Drosseln
Deutsches SchauSpielHaus Hamburg
„Ich weiß, du hast Angst. Habe ich auch. Aber es wird nicht allzu nass. Ehrlich.“ Drei Personen, drei Räume, drei Lebensläufe. Rebecca, Anna und Sam wollen ihre Situation verändern, sich aus dem Strudel der Einsamkeit, Angst und Verzweiflung befreien. Sie sprechen mit sich über sich selbst, über Gedanken, Sorgen und Schwierigkeiten. Gleichzeitig scheint es so, als würden sie dabei einander antworten, auf die jeweils andere Person eingehen, miteinander in die Diskussion kommen. Obwohl alle erstmal für sich bleiben. Auf kunstvolle Weise verwebt die schottische Autorin Stef Smith die drei inneren Monologe zu einem Gespräch miteinander. Die drei begegnen sich zufällig, zunächst vorsichtig, skeptisch und distanziert. Später mit Ehrlichkeit, Zuneigung und Empathie. Das komplexe Spiel zwischenmenschlicher Beziehungen zwischen Verlangen und Verletzung, Schutzbedürfnis und Zerstörung verhandelt Smith mit sprachlicher Wucht und Schonungslosigkeit. Stef Smith studierte Drama und Theatre Arts an der Queen Margaret University in Edinburgh. Seitdem ist sie als Autorin tätig. Für ihr Stück »Roadkill« erhielt sie den Olivier Award. »Drosseln« war eine Auftragsarbeit des schottischen Traverse Theatre. Jamie Trautmann debütiert mit »Drosseln« am Deutschen SchauSpielHaus Hamburg. Regie: Jamie Trautmann Bühne: Malte Knipping Kostüme: Tabea Harms Musik: Nikolas Kuhl Dramaturgie: Christina Schulte
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A Perfect Sky
Deutsches SchauSpielHaus Hamburg
Es ist nicht nur überall von „Künstlicher Intelligenz“ die Rede, in fast allen Bereichen des Lebens greift KI bereits jetzt in den Alltag ein, übernimmt Verwaltung, die Organisation des Liebeslebens, bestimmt den Soundtrack der S-Bahnfahrt, reduziert Fehler im Operationssaal und plant den Urlaub. Sie schreibt Gedichte und Bewerbungsschreiben, Kunstkritiken und Theaterstücke. Dahinter steht der Traum von der Perfektion, die Sehnsucht danach, die Lücken zu füllen, die Welt besser zu machen, sie von dem zu befreien, was als „menschliches Versagen“ die Ursache für Missverständnisse, Ärgernisse, Anstrengung und Schmerz ist. Neben diesem Siegeszug des Tempos, der Genauigkeit, der Präzision wirkt der menschliche Körper seltsam zerbrechlich und schwach, unvollkommen in seiner Vergänglichkeit, seinem Altern, seiner Müdigkeit. Aber liegt darin nicht genau darin das, was Menschen unkopierbar macht: das Zögern, die Unberechenbarkeit des Gefühls und die Kraft Veränderung zu denken? In ihrer neuen Kollaboration gehen der Autor und Regisseur Falk Richter und die Choreografin Anouk van Dijk diesem Gegensatz auf die Spur. Der Triumph der Maschinen fällt in eine Zeit, in der es immer schwieriger zu werden scheint, zusammen zu sein, die Einsamkeit zu überwinden. Richters und van Dijks neues Stück erzählt von Zerbrechlichkeit und Fragmentierung, von Roboterromantik und analoger Sehnsucht, von der Liebe im Zeitalter ihrer technischen Reproduzierbarkeit. Falk Richter ist einer der wichtigsten Autoren in Deutschland, seine Stücke, die er oft selbst inszeniert, wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Er arbeitet regelmäßig am SchauSpielHaus, nach dem Erfolgsstück »Freiheit einer Frau« kehrt er nun mit »A PERFECT SKY« ans Schauspielhaus zurück. Mit Anouk van Dijk verbindet ihn eine lange Arbeitspartnerschaft, die mit »Nothing hurts« (1999) in Hamburg begann. Gemeinsam entwickelten sie zahlreiche Arbeiten für die Berliner Schaubühne, das Düsseldorfer Schauspielhaus, die Münchner Kammerspiele. Text und Regie: Falk Richter Choreografie: Anouk van Dijk Bühne: Wolfgang Menardi Dramaturgie: Ludwig Haugk 1 Stunde 30 Minuten, Keine Pause
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Vampire’s Mountain
Deutsches SchauSpielHaus Hamburg
Wenn sich der Zukunftshorizont verdunkelt, haben Erzählungen von Vampiren Hochkonjunktur. Tatsächlich gibt es kein Volk der Erde, dem diese Geschichten fremd wären. Kein Volk der Erde, dem die Natur, die es zu beherrschen und verbrauchen lernte, nicht als Schreckgestalt wiederkehrte. Der bildende Künstler, Szenograf und Regisseur Philippe Quesne ist ein Meister des skurril-fantastischen Bildertheaters. In vielschichtigen Partituren verwebt er ästhetische und wissenschaftliche Fragestellungen zu zarten, melancholischen und überaus heiteren Panoramen unserer Zeit, in denen das Momentum der Verwandlung stets die entscheidende Rolle spielt. Als Kopf der französischen Performancegruppe Studio Vivarium gehört er seit mehr als zwei Jahrzehnten zu den erfolgreichsten europäischen Theatermacher*innen. Zum ersten Mal wird er nun am Deutschen SchauSpielHaus in Hamburg inszenieren, Mitglieder des Studio Vivarium und unseres Ensembles verbinden und mit ihnen gemeinsam den Ängsten unserer Gegenwart trotzen. Konzept, Regie, Bühne und Kostüme: Philippe Quesne Mitarbeit Bühnenbild: Elodie Dauguet Technische Mitarbeit: François Boulet Mitarbeit Kostüme: Marie-Luise Otto Licht: Annette ter Meulen Dramaturgie: Judith Gerstenberg
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Medea in Korinth
Deutsches SchauSpielHaus Hamburg
Uraufführung: 27.9.2026 V Medea in Korinth: Die verlorenen Kinder Mit »Medea« hat Euripides eine der faszinierendsten und verstörendsten Tragödien der Antike geschaffen. In über 200 Bearbeitungen erfährt sie eine enorme Rezeptionsgeschichte. Anfänglich nur eine Episode in der Fahrt der Argonauten, wird Medea im Laufe der Jahrhunderte zu einer der bedeutendsten Frauenfiguren der Weltliteratur. Roland Schimmelpfennigs Bear beitung des Stoffes verbindet die Tragödie des Euripides mit dem psychologischen Zugriff Grillparzers und legt den Schwerpunkt auf die Reflexion des Mutterbildes in einer Männergesellschaft. Iason und Medea haben ein rastloses Nomadendasein in Griechenland hinter sich. Medea ist und bleibt die Fremde, die argwöhnisch beäugt und gemieden wird. Der hiesigen Erwartung an eine „gute“ Ehefrau und Mutter entspricht sie jedenfalls nicht. Aus Iolkos musste das Paar fliehen wegen Mordverdachts am Herrscher Pelias. Jetzt, im neuen Asyl Korinth, beschließt Iason, dieser Unglücks-Liaison ein Ende zu bereiten und Medea zu verlassen, um die Königstochter Kreusa zu heiraten und endlich doch noch König zu werden. Medea und die Kinder sollen verbannt werden. Die Fremde stört nur noch. Da beschließt sie eine ungeheure Tat: sie wird ihre beiden Kinder opfern – für ihr Gerechtigkeitsempfinden, als Vergeltung dafür, dass ihr nur mit Ressentiment und Misstrauen begegnet wird, als grausamer Akt gegen Iason, sich selbst und ihre Fehlentscheidung, dem Mann in die andere Welt gefolgt zu sein. Regie: Karin Beier Bühne: Johannes Schütz Kostüme: Wicke Naujoks Musik: Jörg Gollasch Licht: Annette ter Meulen Video: Severin Renke Dramaturgie: Sybille Meier
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Das Bildnis des Dorian Gray
Deutsches SchauSpielHaus Hamburg
Das Schulterzucken ist zurück. Klimakrise, soziale Ungleichheit, politische Instabilität – man kennt den Abgrund, doch statt Widerstand dominieren Weltverdrossenheit, hemmungslose Selbstinszenierung, Ironie und die Feier der schönen Dinge. Was ist da los? Vielleicht bietet Oscar Wildes Kultroman eine Antwort. »Das Bildnis des Dorian Gray« besticht durch hinreißende Eleganz – das Buch ebenso wie seine Titelfigur, zumindest auf den ersten Blick. „Alle Kunst ist zugleich Oberfläche und Symbol. Wer unter die Oberfläche geht, tut es auf eigene Gefahr“, warnt Wilde in der Vorrede seines Romans. Genau darum geht es: um das Abtauchen zwischen die Zeilen, hinter die Worte. Was lässt sich dort entdecken? Bleibt Hemmungslosigkeit wirklich ohne Konsequenzen? Oder wie ist es zu deuten, dass Dorian Gray so schamlos seinen Weg geht? Warum hat er seinen moralischen Kompass verloren? Ist er – über die Zeiten hinweg – eine Spiegelfigur unserer Gegenwart, die mehr über unsere eigenen Begierden verrät, als uns lieb ist? Der Maler des Porträts jedenfalls will das Bild nicht ausstellen: „Ich habe zu viel von mir selbst hineingebracht“, sagt er. Was lässt ihn zögern? Und was ist es, das diesem Werk seine unheimliche Zeitlosigkeit verleiht? Tristan Linder studierte Schauspielregie an der Theaterakademie Hamburg. Mit seiner Inszenierung »Sandmann« ist er 2025 zum Körber Studio Junge Regie eingeladen. »Das Bildnis des Dorian Gray« ist seine erste Arbeit am SchauSpielHaus. Regie: Tristan Linder Bühne: Anna Satu Kaunisto Kostüme: Lena Rickenstorf Musik: Alexander Schweiß Licht: Björn Salzer Dramaturgie: Matthias Günther Dauer: 1 Stunde 30 Minuten, Keine Pause
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alphabet
Deutsches SchauSpielHaus Hamburg
Aus dem Dänischen von Hanns Grössel „Wann immer einen die Dinge erschreckten, sei es eine gute Idee, sie zu vermessen.“ (Alexander von Humboldt) Das sprachmagische Welt-Gedicht »alphabet« der dänischen Dichterin Inger Christensen gilt vielen Künstler*innen und Kritiker*innen als eine der innovativsten und bedeutendsten Dichtungen des ausgehenden 20. Jahrhunderts. In einer Schaffenskrise beginnt die studierte Naturwissenschaftlerin eine Aufzählung von alltäglichen Wahrnehmungen und einfachen Dingen des Lebens: Aprikosenbäume, Brombeeren, Chromstahl, Dunst, Dioxin, Elche, Essig, Fehler (darunter grobe und systematische und zufällige), Grenzen, Halbschatten, Heerscharen … Sie ordnet diese Begriffe und Gedanken auf leeren Papierbögen alphabetisch an, um sich der Welt neu zu vergewissern. Ausgehend vom „Aprikosenbaum“ des Anfangs, entsteht in einer immer weiter ausgreifenden Bewegung eine einzigartige Folge von Wörtern, Gedanken, Bildern, Ideen – so, als würde die Welt das erste Mal benannt und erschaffen. Die Zeilenanzahl des so entstehenden Planeten-Portraits unterwirft Christensen dem mathematischen Gesetz der Fibonacci-Sequenz, die in der Natur auch in Schneckenhäusern, DNA-Spiralen und dem Andromeda-Nebel vorkommt: 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34, 55 … bis in die Unendlichkeit. Ein Versuch, gegen den Tod anzuschreiben. Christensen feiert die Schönheit all dessen, was wir über die Natur wissen, und beschreibt zugleich das Entsetzen über all das, was wir auch wissen: über die Verderbnis der Schönheit, ihren Verfall ins Unbeherrschbare und Zerstörende. Und inmitten alldem steht die entscheidende Frage: „Warum sind wir hier?“ Wie passen wir Menschen in dieses Ordnungssystem? Denn kurz nach dem Buchstaben M bricht die strenge alphabetische Ordnung dann auch plötzlich ab … Der Schweizer Theaterkünstler Thom Luz nimmt sich dieses Jahrhundertgedicht vor, um es erstmals auf einer Theaterbühne in ein von Musik durchdrungenes Klangbild zu verwandeln – verspielt und traurig, flüchtig, voll von leisem Humor und magisch schönen Theaterbildern. Er kehrt damit nach seinem Kafka-Abend »Die acht Oktavhefte« zurück ans SchauSpielHaus. Regie und Bühne: Thom Luz Mitarbeit Bühne: Malte Knipping Kostüme: Sophie Leypold Musikalische Leitung: Peter Conradin Zumthor Licht: Jan Vater Dramaturgie: Judith Gerstenberg Dauer: 1 Stunde 40 Minuten, Keine Pause
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Die Möwe
Deutsches SchauSpielHaus Hamburg
Wie nervös alle sind, so nervös! Als junge erfolglose Künstler*innen glauben sie, alle Konventionen sprengen zu können und verlieren – endlich erfolgreich – den Glauben an ihre Arbeit. Sie wollen ein bedeutendes Leben führen in den Zentren der Welt und arrangieren sich tapfer in der Provinz. Sie wollen die Gesellschaft erneuern und werden von sich selbst enttäuschte Schauspieler*innen, Lehrer*innen oder Verwalter*innen. Sie suchen die eine, die große Liebe und heiraten schließlich leidenschaftslos eine andere. Fast alle Figuren, die Anton Tschechow in »Die Möwe« versammelt, sind irgendwo angekommen. Aber niemand dort, wo er oder sie eigentlich einmal hinwollte. Sie bilden einen Reigen unglücklich liebender, grandios oder kleinlaut scheiternder Menschen. Es ist eine Tragödie, es ist eine Komödie. Die Regisseurin Yana Ross inszeniert zum ersten Mal in Hamburg. Seit ihrer frühesten Kindheit führt die Kosmopolitin ein für ihr künstlerisches Schaffen fruchtbares Nomadenleben: In Moskau als Kind einer ukrainisch-polnisch-jüdischen Familie geboren, aufgewachsen im Baltikum und den USA, lebt und arbeitet sie seither in verschiedenen Ländern Europas. Zuletzt gehörte sie fünf Jahre zum Leitungskollektiv des Schauspielhauses Zürich. Immer wieder aufs Neue sucht sie die Texte Anton Tschechows auf: Kein anderer Autor sequenziere die DNA der menschlichen Seele so präzise wie er. Gemeinsam mit dem Ensemble taucht sie tief in das Original ein, befragt Tschechows Dramatik nach den persönlichen Bezugspunkten und schreibt sie in die Gegenwart fort. Aus dem Russischen von Elina Finkel in einer Bearbeitung von Yana Ross Regie: Yana Ross Bühne: Bettina Meyer Kostüme: Ulrike Gutbrod Musik: Knut Jensen Licht: Susanne Ressin Dramaturgie: Matthias Günther Dauer: 2 Stunden 45 Minuten, inkl. einer Pause
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Fabian oder Der Gang vor die Hunde
Deutsches SchauSpielHaus Hamburg
Berlin. Weimarer Republik. Ende der 1920er Jahre. Erich Kästner schreibt einen Großstadtroman mit autobiografischen Zügen. Er warnt vor dem Abgrund, dem sich Deutschland und damit Europa nähert. „Heute sind bereits neue, genauer, sehr alte Mächte fanatisch dabei, wieder standardisierte Meinungen zu verbreiten. Noch wissen viele nicht, viele nicht mehr, dass man sich Urteile selber bilden kann und sollte.“ Vordergründig geschieht nichts in diesem Roman doch hintergründig ist das Drama maximal. Es ist das Drama eines gewöhnlichen Lebens zu einer Zeit der sich ankündigenden Katastrophe. „Außer einer, mit zweihundertsiebzig Mark im Monat dotierten Anstellung geht nichts verloren. Keine Brieftasche, kein Perlenkollier, kein Gedächtnis, oder was sonst im Anfang von Geschichten verloren geht und im letzten Kapitel, zur allgemeinen Befriedigung, wiedergefunden wird. Es wird nichts wiedergefunden. Es treten wichtige Personen auf und verschwinden vor der Zeit. Es kommen unwichtige Leute daher und kehren mit einer Heftigkeit, die ihnen gar nicht zukommt, immer wieder. Ein junger Mann erschießt sich. Ein anderer junger Mann ertrinkt. Und beide Todesfälle sind äußerlich so wenig gerechtfertigt, beide Herren kommen derartig aus Versehen ums Leben, dass man fragen könnte: Gab es denn keine zwingenderen Anlässe? Warum versagte der Autor ihrem Tod die Notwendigkeit? Man könnte beinahe vermuten, es handle sich um eine Absicht. Die Dummheit dessen, was geschieht, nimmt, vom zunehmenden Tempo des Geschehens angeregt, imposante Ausmaße an. Jeder Tag ist für den, der ihn erlebt, eine Reise im verkehrten Zug ans falsche Ziel. Die Vernunft geht ins Exil. Der verworrene Zustand und der ratlose Mensch bleiben übrig.“ (Erich Kästner) Erich Kästner stand dabei, als seine Bücher 1933 in Flammen aufgingen. In »Fabian oder Der Gang vor die Hunde« hat er den Humus beschrieben, aus dem solche Ereignisse wachsen konnten. Regie und Bühne: Dušan David Pařízek Kostüme: Magdaléna Vrábová Musik: Peter Fasching Licht: Rebekka Dahnke Dramaturgie: Judith Gerstenberg 2 Stunden, 50 Minuten, inkl. einer Pause
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Ein Sommer in Niendorf
Deutsches SchauSpielHaus Hamburg
Gut situiert, gut angezogen, gut aufgestellt – so tritt er auf, der Jurist Dr. Georg Roth. Jetzt träumt er davon, ein bejubelter Autor zu sein. Er nimmt eine Auszeit, um ein Buch zu schreiben. Die Wahl des Ortes fällt auf Niendorf, Teil des Timmendorfers Strands. Einst Treffpunkt der berühmten Schriftstellergruppe 47 scheint der unglamouröse Badeort genau die richtige Wahl. Drei Monate gibt er sich Zeit, nicht mehr. Doch bald schon stockt der Schreibprozess. Dem Juristen begegnen allerlei dämonische Figuren, kleinbürgerliche oder proletarische, die ihn abstoßen und zugleich in ihren Bann schlagen. Das Buchprojekt jedenfalls tritt immer mehr in den Hintergrund. Und der Sommer in Niendorf beginnt Dr. Roths Leben zu verschlingen. Heinz Strunks Roman wurde von Kritik und Publikum gleichermaßen gefeiert. Sein »Sommer in Niendorf«, hieß es, sei ein moderner »Zauberberg«. Und wenn Thomas Manns Zauberberg vor allem ein Ort ist, wo die Zeit anders verläuft, verfließt und vergeht, so geschieht Gleiches in Strunks Niendorf: Die berauschende Wirkung der Höhenluft wird in dem norddeutschen Badeort freilich durch ausgiebigen Alkoholkonsum erzielt. Auf die Bühne gebracht wird der Roman von Studio Braun – natürlich unter Beteiligung des Gründungsmitglieds und Autors Heinz Strunk. Regie: Studio Braun Bühne: Stephane Laimé Kostüme: Dorle Bahlburg Musik: Studio Braun, Sebastian Hoffmann Video: Meika Dresenkamp Choreografie: Rica Blunck Licht: Rebekka Dahnke Dramaturgie: Christian Tschirner Band: Sebastian Hoffmann (Musikalische Leitung / Posaune), Lieven Brunckhorst (Saxophon), Ali Busse (Bass), Jens Carstens (Schlagwerk), Taco van Hettinga (Keyboards), Sönke Rust (Gitarren) Dauer: 2 Stunden 10 Minuten, Keine Pause
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Medea in Kolchis
Deutsches SchauSpielHaus Hamburg
Uraufführung: 27.9.2026 IV. Medea in Kolchis: Eine Rekonstruktion Vier Menschen sitzen beieinander. Vieles deutet darauf hin, dass sie sich in einer Art Therapiesitzung befinden oder in einer Psychiatrie. Es könnte aber genauso gut das Jenseits sein, eine Unterwelt wie die des Hades. Unter den vier Menschen befindet sich einer, der seit langem tot ist, Absyrtos, der Bruder der Medea, während die anderen – Iason, Medea, Aietes – noch am Leben sind. Eine Begegnung der Lebenden, Untoten und Toten, die so niemals stattgefunden haben kann. Roland Schimmelpfennig ersinnt eine Art Erinnerungsraum, in dem die vier mühsam eine gemeinsame Version der Geschichte zu „rekonstruieren“ suchen. Wir folgen ihnen nach Kolchis, um zu erfahren, was genau da mals dort geschehen ist. Medea hat Iason zum Goldenen Vlies verholfen, so viel steht fest. Aber aus welchem Grund? War es Liebe oder Berechnung? Und wer hat nun ihren Bruder Absyrtos zerstückelt, um den Vater Aietes an der Verfolgung zu hindern? Ausgangspunkt des Textes ist eine Retrospektive und die Frage nach der Macht der Narration, die die Wirklichkeit rückwirkend scheinbar zu korrigieren vermag. Regie: Karin Beier Bühne: Johannes Schütz Kostüme: Wicke Naujoks Musik: Jörg Gollasch Video: Severin Renke Licht: Annette ter Meulen Dramaturgie: Sybille Meier
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Prolog / Zwischenspiel / Die Argonauten
Deutsches SchauSpielHaus Hamburg
Uraufführung: 26.9.2026 I. Prolog: Der goldene Widder Jeder Mythos hat mindestens eine Vorgeschichte. Und noch eine. Und noch eine weitere. Roland Schimmelpfennig kehrt mit dem Prolog zur allerersten zurück und lässt von der Entstehung des Goldenen Widders erzählen. Die gewaltsame Verwandlung der Sternenzeichnerin Theophane in ein Schaf durch den Meeresgott Poseidon bringt ein Mischwesen aus Tier, Gott und Mensch hervor, dessen Fell als „Goldenes Vlies“ in die mythische Geschichtsschreibung eingegangen ist. Sprung in eine andere Geschichte, eine andere Zeit und an einen anderen Ort. Dort verliebt sich König Athamas in Ino, Tochter des Kadmos (!) aus Theben, und betrügt mit ihr seine göttliche Wolken frau Nephele. Die verflüchtigt sich an den Himmel. Leichte Opfer sind nun ihre beiden Kinder Phrixos und Helle für die Gesellschaft, die Verschwörungstheorien und einer Sündenbockmentalität verfällt. Auf Geheiß von Nephele erscheint der Goldene Widder zur Rettung der Kinder. Während Phrixos auf dem fliegenden Widder Kolchis erreicht, stürzt seine Schwester Helle ins Meer. Seitdem trägt die Stelle den Namen Helles-Pont. Die zurückliegende Stadt Iolkos wächst zu einer kalten, industrialisierten Hafenmetropole heran. Die Sonne muss wieder her, darüber ist sich die Stadtgesellschaft einig. Gerade im rechten Moment stolpert der verlorene Sohn und rechtmäßige Thronfolger Iason in die Stadt. Er soll es sein, der Iolkos vor seinem Niedergang bewahrt. II. Zwischenspiel: Zentaur, Höhle, Baum und Balken Wo kommt er überhaupt her, dieser vermeintliche Erlöser und Retter der Menschheit? Mit dem Zwischenspiel werfen wir einen Blick zurück in Iasons Kindheit und die Höhle des Cheiron, eines Zentauren, dem der kleine Junge zum Schutz anvertraut worden war, nachdem man seinen Regenten-Vater ermordet hatte. Der Zentaur – ein halbgöttlicher Pferdemensch mit Alkoholproblem – steckt Iason zur Tarnung in Mädchenkleider und triezt ihn mit schwarzer Pädagogik. Iason gilt ihm als Inbegriff der Generation „Selbst“ – selbstbezogen, selbstverliebt und selbstgerecht –, und trotz seiner Durchschnittlichkeit setzt er ihm den Floh vom Goldenen Vlies ins Ohr. Cheirons Hauptfeind ist der Wahrheitssucher Platon, gerade weil der Zentaur als lebendes Beispiel für dessen berühmtes Höhlengleichnis herhalten muss. Am Ende befreien sich Iason und der als Hausmeister angestellte Herakles aus den Fängen des Zentauren Cheiron und landen gemeinsam mit einem geflügelten Jungen in Iolkos. Was ist das bessere Überlebensprinzip: Freiheit, Aufbruch in die Fremde und Begegnung mit dem Unbekannten oder die Sicherheit in der Höhle der Illusion? III. Die Argonauten: Auftrag, Aufbruch und Irrfahrt Mit einer mehr als zweifelhaften Mannschaft bricht Iason endlich in Richtung Kolchis auf, um das Goldene Vlies nach Iolkos zu holen. Sollte ihm dies gelingen, wäre ihm der Thron gewiss, so das hinterhältige Versprechen seines Onkels und derzeitigen Regenten Pelias. Die zur See stechende Truppe setzt sich zusammen aus Orpheus (der Sänger im Tunnel), Tiphys (der blinde Steuermann), Amphion (der gläubige Koch), Akastos (der Sohn ohne Finger) und einer fragwürdigen „Leitungsebene“ bestehend aus Iason, Herakles und dem Jungen mit den Flügeln. Unterstützt wird die abstruse Mannschaft von einer großen Menge tatkräftiger Ruderer. Und dann gibt es da möglicherweise noch einen blinden Passagier an Bord, Atalante, die unsichtbare Frau. Roland Schimmelpfennig überführt das Heldenepos in eine antiheldische Groteske des schwarzen Humors mit Anleihen an Splatter und Mystery. Aus der Paranoia der Argonauten erwächst eine zunehmende Gewaltbereitschaft, je näher sie der Fremde kommen. Die Expedition wird enttarnt als imperialistischer Raubfeldzug zwischen Wahn und Wirklichkeit. Eine Odyssee als Parabel auf die Verrohung der menschlichen Gesellschaft unter Extrembedingungen. Regie: Karin Beier Bühne: Johannes Schütz Kostüme: Wicke Naujoks Musik: Jörg Gollasch Video: Severin Renke Licht: Annette ter Meulen Dramaturgie: Sybille Meier
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Fremde Sonne-Marathon
Deutsches SchauSpielHaus Hamburg
Die Argonauten. Iason. Medea. Ein Wochenende - ein Platz - ein Ticket! Der enorme Zuspruch, den wir mit unserer fünfteiligen Serie »ANTHROPOLIS. Ungeheuer. Stadt. Theben.« während der letzten drei Jahre erfahren haben, ermutigte uns, zur Eröffnung der Spielzeit 2026-27 einen neuen Antikenzyklus aufzulegen. In »FREMDE SONNE. Die Argonauten. Iason. Medea.« haben wir uns dieses Mal die Ur-Geschichte imperialer und kolonialer Unternehmungen der Zivilisation vorgenommen, die Fahrt der Argonauten zur Eroberung des Goldenen Vlieses, samt seiner Konsequenz, dem Phänomen „Medea“. Wie geht es also weiter in der zweiten Staffel? Die Gesellschaft stagniert politisch, ökonomisch, sozial. Es mangelt ihr an einer zukunftsfähigen Vision einer lebbaren Welt. Das Fortschrittsversprechen von einst wird in einen Strudel aus Warenströmen, Katastrophenängsten, Machtverlust und Geldgier gerissen und in die Tiefe der Depression gezogen. Der Aufbruch zu neuen Ufern in andere Welten erscheint da als einzige Lösung am Horizont. Die angeschlagene und ausgehöhlte Zivilisation muss wieder nach vorne gebracht werden, denkt sich Iolkos, eine mittlere Hafenstadt nördlich von Theben. Es ist die Geburt des Argonauten-Mythos, der Erzählung von der ersten gesamtgriechischen Expedition ins ferne Kolchis an der Schwarzmeerküste, im heutigen Georgien gelegen. Dort vermutet man ein sagenhaftes Goldenes Vlies, das die Lösung aller Probleme verspricht. Das Goldene Vlies oder die „fremde Sonne“ ist wie der Heilige Gral im Mittelalter ein Heilsversprechen. Es symbolisiert eine glänzende Zukunft, weltbeherrschendes Wissen, Reparatur, Reichtum, und vor allem: ewige Jugend. Die „fremde Sonne“ bedeutet aber auch Gefahr, Verbrennung, Unberechenbarkeit. So gerät das Unterfangen der Argonauten zur „Mission Impossible“, zur Fahrt in den Untergang. Nur der Kolcherin Medea ist es zu verdanken, dass das Goldene Vlies schließlich doch noch nach Griechenland gelangt. Im Kern dreht sich »FREMDE SONNE« um den Hegemonialanspruch einer Zivilisation über die ganze Welt, nein, eigentlich über das ganze Universum. Die kosmische Machtgier ist gekoppelt an den Besitz von Information, Wahrheit, an die Deutungshoheit über die Weltgeschichte und die Gewalt über die Konstruktion von Wirklichkeit. Roland Schimmelpfennig hat aus der epischen Vorlage des Argonauten-Mythos sechs neue Theatertexte entwickelt. Einzig »Medea in Korinth: Die verlorenen Kinder« basiert auf der dramatischen Vorlage von Euripides/Grillparzer und wurde von Schimmelpfennig neu in eine zeitgenössische poetische Sprache übertragen. Seit über zwei Jahren werden die Stücke vorbereitet und geprobt, um sie zum Eröffnungswochenende der Spielzeit 2026-27 zur Uraufführung zu bringen. Der sechste und letzte Teil »Medea in Athen: Der gefundene Sohn« hat Anfang Februar 2027 Premiere. Die einzelnen Inszenierungen können sowohl für sich allein als auch in zeitlicher Abfolge hintereinander in einem Marathon gesehen werden. Das MarathonTicket: Sie können die Vorstellungen einzeln besuchen oder aber sich alle Teile an einem Wochenende ansehen. Bis zur Premiere von »Medea in Athen« (6/2/27) umfassen die »FREMDE SONNE«-Wochenenden drei Vorstellungen, ab dem 6/2 sind es dann vier Vorstellungen. Der Vorverkauf für die einzelnen Vorstellungen von »FREMDE SONNE« beginnt zum regulären Vorverkaufsstart des jeweiligen Monats. Ein Wochenende - ein Platz - ein Ticket! September 2026 Sa, 26/9/2026 - 19.00 Uhr - FREMDE SONNE I: »Prolog/Zwischenspiel/Die Argonauten« So, 27/9/2026 - 16.00 Uhr - FREMDE SONNE II: »Medea in Kolchis« So, 27/9/2026 - 20.00 Uhr - FREMDE SONNE III: »Medea in Korinth« Oktober 2026 Sa, 10/10/2026 - 19.00 Uhr - FREMDE SONNE I: »Prolog/Zwischenspiel/Die Argonauten« So, 11/10/2026 - 16.00 Uhr - FREMDE SONNE II: »Medea in Kolchis« So, 11/10/2026 - 20.00 Uhr - FREMDE SONNE III: »Medea in Korinth« Sa, 24/10/2026 - 19.00 Uhr - FREMDE SONNE I: »Prolog/Zwischenspiel/Die Argonauten« So, 25/10/2026 - 16.00 Uhr - FREMDE SONNE II: »Medea in Kolchis« So, 25/10/2026 - 20.00 Uhr - FREMDE SONNE III: »Medea in Korinth« Weitere Termine sind in Planung!
Aufführungen
| Schauspiel
Das Adressbuch
Deutsches SchauSpielHaus Hamburg
Uraufführung: 25.9.2026 „Er nahm es mir übel.“ Ein zufällig gefundenes Adressbuch wird zum Ausgangspunkt eines radikalen Experiments. Die Künstlerin Sophie Calle kopiert die Kontakte eines ihr unbekannten Mannes und beginnt dessen Leben zu rekonstruieren. Sie spricht mit Freund*innen, Bekannten, Verwandten und flüchtigen Begegnungen. Aus ihren Erzählungen entsteht nach und nach das Bild eines Menschen, den sie nie direkt trifft, und der doch immer greifbarer erscheint. Was als neugierige Recherche beginnt, verwandelt sich in eine Grenzüberschreitung. Zwischen Nähe und Distanz, Dokumentation und Projektion stellt sich die Frage: Darf man einen Menschen durch die Perspektiven anderer kennenlernen? Wer erzählt hier eigentlich wen? Und wo verläuft die Grenze zwischen künstlerischer Freiheit und Übergriff? Als Sophie Calle ihre Recherchen 1983 in der Zeitung »Libération« veröffentlicht, löst sie einen Skandal aus. Der Betroffene spricht von einem Eingriff in seine Privatsphäre. Gerade diese Ambivalenz macht »Das Adressbuch« zu einem bis heute verstörenden Kunstwerk. Ein Kriminalfall ohne eindeutige Schuld, der das Publikum selbst verstrickt. Was bleibt von einem Menschen, wenn andere über ihn sprechen? Regisseur Ruben Müller und sein Team nähern sich diesem Stoff mit einem dokumentarischen und zugleich poetischen Zugriff. In seinen Arbeiten untersucht Müller reale Ereignisse und ihre Erzählformen. Für »Das Adressbuch« entwickelt er eine Inszenierung, die Calles Versuchsanordnung in eine theatrale Untersuchung von Blick, Kontrolle und der Sehnsucht nach dem Anderen überführt. Regie: Ruben Müller Bühne: Chloe Kelly Kostüme: Jacqueline Elaine Koch Dramaturgie: Matthias Günther
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